Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) hat eine neue Expertise zur Umsetzung von Sprach- und Entwicklungsstandserhebungen bei vierjährigen Kindern veröffentlicht. Die von der Prognos AG erarbeitete Studie liefert wissenschaftlich fundierte und praxisnahe Empfehlungen für die Ausgestaltung verpflichtender Erhebungen und anschließender Fördermaßnahmen im Rahmen des geplanten Qualitätsentwicklungsgesetzes (QEG).
Frühe Bildung ist ein zentraler Schlüssel für Chancengerechtigkeit, Teilhabe und erfolgreiche Bildungsbiografien. Gerade sprachliche Kompetenzen sowie weitere bildungsrelevante Entwicklungsbereiche legen das Fundament für den Übergang in die Schule und die weiteren Entwicklungschancen. Gleichzeitig zeigen aktuelle Studien und Berichte: Entwicklungsrisiken werden bislang nicht bei allen Kindern frühzeitig erkannt, und die Umsetzung von Sprach- und Entwicklungsstandserhebungen unterscheidet sich deutlich zwischen den Ländern.
Grundlage der Expertise sind eine systematische Literaturanalyse, wissenschaftliche Experten-Hearings, ein interdisziplinärer Praxis-Workshop sowie eine Recherche und systematische Aufbereitung der bestehenden Regelungen und Verfahren in den Ländern.
Zentrale Ergebnisse der Expertise sind:
- Sprachliche Kompetenzen sind ein zentraler Prädiktor für Bildungserfolg und stehen in engem Zusammenhang mit weiteren Entwicklungsbereichen wie Kognition, Motorik und sozial-emotionaler Entwicklung. Diese Bereiche sollten bei Erhebungen gemeinsam betrachtet werden.
- Empfohlen wird ein mehrstufiges, ressourcenorientiertes Vorgehen: Beibehaltung der kontinuierlichen standardisierten Beobachtung im Kita-Alltag, Screenings bei vierjährigen Kindern sowie vertiefende diagnostische Tests nur bei begründetem Verdacht auf Entwicklungsstörungen.
- Die Kita wird als geeigneter Ort für Sprach- und Entwicklungsstandserhebungen bewertet, da Kinder hier in einer vertrauten Umgebung sind und pädagogische Fachkräfte den Entwicklungsverlauf sowie den familiären Kontext gut einschätzen können.
- Erhebungen dürfen kein Selbstzweck sein: Ergebnisse müssen konsequent in alltagsintegrierte und additive Fördermaßnahmen überführt werden. Nur so lassen sich echte Entwicklungsimpulse setzen die Stigmatisierung vermeiden. Eine enge Zusammenarbeit mit Eltern ist dabei zentral, um Förderung abzustimmen und nachhaltig wirksam zu gestalten.
- Für eine erfolgreiche Umsetzung sind zusätzliche personelle Ressourcen mit entsprechender Qualifizierung, bessere Fachkraft-Kind-Relationen, ausreichend Zeit für mittelbare pädagogische Arbeit sowie gezielte Fort- und Weiterbildungen erforderlich – insbesondere in Einrichtungen in herausfordernden Lagen. Zugleich müssen die zusätzlichen Aufwände für Erhebung, Ableitung, Planung und Begleitung der Fördermaßnahmen angemessen kompensiert werden, damit Qualität gesichert und Fachkräfte entlastet werden.
Die Ergebnisse unterstreichen: Um wirksame und chancengerechte Sprach- und Entwicklungsstandserhebungen zu etablieren, braucht es klare Qualitätsstandards, verlässliche Rahmenbedingungen und eine enge Verzahnung von Erhebung und Förderung. Die Expertise liefert hierfür eine zentrale fachliche Grundlage.