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Porträt der Kita Charlottenstraße in Heilbronn

Erzieher malt mit zwei Mädchen

 

In der Kita Charlottenstraße begegnen sich Eltern und Fachkräfte auf Augenhöhe

„Vielfalt ist unsere Stärke“ lautet das Motto der Kita Charlottenstraße in Heilbronn. Schon seit 1966 betreut die Kita Kinder aus aller Welt. Heute toben rund 120 Kinder in der Einrichtung, darunter etwa 30 Kinder unter drei Jahren. Viele haben einen Migrationshintergrund.

„Ganz klar ist: Zu unseren Aufgaben gehört nicht nur die Bildung und Betreuung der Kleinsten“, berichtet die stellvertretende Kitaleiterin Frau Uysal, „sondern auch die Zusammenarbeit mit ihren Familien. Uns war schon immer wichtig, diese zu beteiligen. Unsere Grundhaltung gegenüber den Eltern ist von Respekt und Wertschätzung geprägt, denn sie sind sozusagen die Expertinnen und Experten für ihre Kinder. Und ihr ‚Expertenwissen‘ hilft uns sehr bei der täglichen Arbeit mit den Kindern. Wie geht es den Kindern? Worauf müssen wir achten? Was hat gerade im familiären Umfeld stattgefunden und kann im Kita-Alltag aufgegriffen werden? Diese Fragen klären wir, um die Betreuung der Kinder zu Hause und in der Kita aufeinander abzustimmen.“ Aber auch die Eltern profitieren: „Wir möchten ihnen Ideen an die Hand geben, wie sie die Angebote der Kita zuhause begleiten können. Gegenseitiges Geben und Nehmen – davon lebt eine Erziehungspartnerschaft.“

Damit Kinder sich in der Kita wohlfühlen können, müssen die Erzieherinnen und Erzieher das Kind und seine individuellen Bedürfnisse gut kennen. Ein Hausbesuch vor der Eingewöhnungsphase ermöglicht ein gegenseitiges Kennenlernen und bietet den Eltern Raum, ihre Fragen in Ruhe zu stellen. Je mehr Eltern und Erzieherinnen und Erzieher voneinander wissen, desto leichter wird auch dem Kind die Eingewöhnung in der Kita fallen. Werden Schlaf- und Essgewohnheiten oder Trostrituale in der Kita aufgegriffen, gibt das dem Kind Sicherheit. Auch die Anrede von bestimmten Familienmitgliedern oder wichtigen persönlichen Gegenständen, wie zum Beispiel der Name des Lieblingskuscheltiers, sollte den Erzieherinnen und Erziehern bekannt sein.

Diskussionen im Elterncafé

Um mit den Eltern zusammenzukommen, hat die Kita ein Elterncafé gestaltet. Eltern wurden jeden Monat eingeladen, um bei Kaffee und Gebäck mit den Erzieherinnen und Erziehern ihrer Kinder zu diskutieren. „Leider waren die Elterncafés nicht besonders gut besucht“, berichtet Frau Uysal.

Nun hat das Kita-Team mit großer Unterstützung ihrer Sprachexpertin Frau Rauhut dem Elterncafé neues Leben eingehaucht. Eltern werden jetzt alle drei Monate zu Gesprächskreisen eingeladen – die Themen können sie selbst bestimmen. „Die Eltern bekommen einen Fragebogen, auf dem sie ankreuzen können, welches Thema im nächsten Elterncafé besprochen werden soll. So stellen wir sicher, dass wir Themen und Fragen aufgreifen, die den Eltern wirklich am Herzen liegen“, so Frau Uysal. „Bei den letzten Elterncafés haben wir zum Beispiel die Themen ‚sprachliche Bildung‘ und ‚Kinder und Medien‘ diskutiert.“

Beim Thema ‚Kinder und Medien‘ wurde erörtert, wie mit Fernsehen und Internet im Kindesalter verantwortungsvoll umgegangen werden kann. Welches Fernsehprogramm ist wirklich altersgerecht? Sollten Eltern immer dabei sein, wenn das Kind vor dem Fernseher sitzt? Worauf muss ich achten, wenn mein Kind mit dem Internet in Berührung kommt? Gestaltet wurde dieses Elterncafé von einer Erzieherin und einer Mutter. Beide haben im Vorfeld an einer Fortbildung zum Thema teilgenommen.

Frau Rauhut hat in ihrer Rolle als Sprachexpertin ein Elterncafé zur alltagsintegrierten Sprachbildung durchgeführt. „Mehrsprachigkeit ist ein Thema, das bei den Eltern – vor allem denjenigen mit Migrationshintergrund – auf großes Interesse stößt“, erzählt sie. „Vielen Eltern fällt es schwer, im Alltag die richtige Balance zwischen ihrer Muttersprache und der deutschen Sprache zu finden.“ Beim Elterncafé konnte die Sprachexpertin praktische Tipps weitergeben. Aber nicht nur die Eltern, auch das Kita-Team profitierte von dem Elterncafé. Die Erzieherinnen und Erzieher erhielten wertvolle Anregungen, wie die Zusammenarbeit mit Eltern gestaltet und eine vertrauensvolle Beziehung zu Eltern aufgebaut werden kann und wie Eltern über Themen, die die sprachliche Entwicklung ihrer Kinder betreffen, informiert werden können.

Es kann mitunter viel Zeit vergehen, bis Angebote zur Zusammenarbeit mit Eltern bekannt sind und angenommen werden. Die Kitas dürfen sich nicht so schnell entmutigen lassen, wenn sie nicht von Anfang an großen Zuspruch der Eltern erhalten. Wichtig ist, die Angebote genau an die Bedürfnisse der Eltern und Familien auszurichten und gegebenenfalls anzupassen, wenn die Eltern sich andere Zeiten, Themen oder Formate wünschen. Umfragen unter den Eltern oder auch die Einladung, beim Elternabend gemeinsam Vorschläge für die Zusammenarbeit zu diskutieren, können helfen, passende Angebote zu entwickeln.

Tag der Muttersprache

Eltern können den Kita-Alltag selbst mitgestalten. „Wir haben einen ‚Tag der Muttersprache‘ eingeführt, um die Vielfalt und Mehrsprachigkeit in unserer Einrichtung zu zeigen und zu würdigen“, erzählt Frau Rauhut. „An diesen Tagen werden unsere Eltern aktiv! Sie können mit den Kindern in ihrer Muttersprache – sei es die deutsche oder eine andere Sprache – interagieren und mit ihnen spielerisch die Sprache erkunden.“

Eine aus Griechenland stammende Mutter hat mit den Kindern beispielsweise ein Bewegungsspiel gespielt: Die Kinder lernten den Text eines griechischen Liedes und sangen dieses während des Spiels mit. Ein besonderes Erlebnis haben die Kinder einem alleinerziehenden polnischen Vater zu verdanken, der als Tätowierer arbeitet – und sein Talent in der Kita auf eine ganz neue Weise eingesetzt hat. Mit Fingerfarbe malte er den begeisterten Kindern Tiere auf die Handrücken und erklärte die Namen und Tierlaute in polnischer Sprache. Sowohl der Vater als auch sein Sohn waren hinterher unglaublich stolz, dass sie den Kindern der Kita Charlottenstraße polnische Wörter beibringen konnten.

Im Elternbeirat mitgestalten

Der Elternbeirat spielt in der Kita Charlottenstraße eine wichtige Rolle und wird stark bei Fragen zur strategischen Ausrichtung der Kita einbezogen: Die involvierten Eltern werden stets über aktuelle Vorgänge in der Kita informiert und können selbst Vorschläge zur Angebotsgestaltung der Einrichtung machen. Des Weiteren plant und organisiert der Elternbeirat die Jahresfeste, beispielsweise das Sommerfest, den Laternenumzug oder die Weihnachtsfeier in der Kita. Damit entlastet er die Erzieherinnen und Erzieher, die so mehr Zeit für die Arbeit mit den Kindern haben, und schlägt eine Brücke zur Elternschaft.

Eine tolle Initiative des Elternbeirats konnte umgesetzt werden. Analog zu einem Leitfaden für das Kita-Team, der Informationen und Tipps zur Dialoghaltung zwischen pädagogischen Fachkräften und Kindern vermittelt, wurde gemeinsam mit dem Elternbeirat und unserer Multiplikatorin ein Leitfaden zur Dialoghaltung zwischen Eltern und Kindern entwickelt. Im Leitfaden wird zum Beispiel erklärt, warum der Blickkontakt mit dem Kind wichtig ist und die Kommunikation sprichwörtlich „auf Augenhöhe“ sein sollte. Eltern erhalten auch Denkanstöße, wie man ganz alltagsintegriert die sprachliche Bildung ihrer Kinder fördern kann – beispielsweise welche sprachanregenden Anlässe beim gemeinsamen Mittagessen gefunden werden können. Der Leitfaden ist mittlerweile Bestandteil des Willkommenspakets der Kita für Familien. Dieses birgt erste Informationen für Eltern, u.a. auch die Beantwortung meistgestellter Fragen zum Kita-Alltag.

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Junge mit Gitarre

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