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Wir bleiben in Kontakt: Frühkindliche Bildung in Zeiten von Corona

Eine Kita-App? Abwaschbare Stempel? Online-Elternabend? Der Kita-Alltag gestaltet sich während der Corona-Pandemie anders als zuvor. Deshalb werden pädagogische Fachkräfte und Tagespflegepersonen gerade äußerst erfinderisch und entwickeln kreative Ideen: für die pädagogische Arbeit mit den Kindern in den Einrichtungen und zu Hause. Mittlerweile sind die Kitas zwar in den Regelbetrieb zurückgekehrt, es gelten jedoch noch immer besondere Bedingungen. Der Themenbereich „Wir bleiben in Kontakt: Frühkindliche Bildung in Zeiten von Corona“ unterstützt pädagogische Fachkräfte und Tagespflegepersonen mit innovativen Praxisbeispielen, Interviews und Infotexten. Die Praxisbeispiele bieten Inspiration für die Arbeit in der Krisenzeit sowie im Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen. Sie setzen neue Impulse für den Kita-Alltag.

 

Fachkräfte & Kita


Experteninterview zur Sicherheit und Gesundheit in Kitas in Zeiten von Corona

Illustration Text

Georg Nottelmann ist Leiter des Sachgebiets Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Im Interview erklärt er, worauf es bei der Sicherheit und Gesundheit in Kitas in Zeiten von Corona ankommt.

 

Wie gestaltet sich die Arbeitssicherheit und der Gesundheitsschutz in Kitas in Zeiten von Corona? Was sollten Kitas und Träger unbedingt berücksichtigen?

„Grundsätzlich geht es darum, die allgemeinen Anforderungen, wie etwa das Abstandhalten und das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes, so weit wie möglich in der Kita zu berücksichtigen. Dass dies in der Interaktion mit den Kindern nicht so einfach funktioniert ist klar, denn Kinder haben andere Bedürfnisse. Bei der Arbeit mit Kindern sollten deshalb das Konzept der geschlossenen Gruppen und die normalen Hygienemaßnahmen umgesetzt werden. Dazu zählen zum Beispiel regelmäßiges, gründliches Händewaschen oder die Beachtung der Niesetikette. Diese Verhaltensweisen sollten mit den Kindern besprochen und eingeübt werden. Es gibt mittlerweile eine Reihe didaktischer Materialien, die pädagogische Fachkräfte dabei unterstützen.  

Aus unserer Sicht ist es außerdem besonders wichtig, bei Bedarf mögliche Infektionsketten zurückverfolgen zu können. Das gelingt natürlich in erster Linie, wenn man die Infektionsherde eingrenzt, also die Gruppen nicht durchmischt und sie klar definiert.“

Welche konkreten Tipps und Anregungen haben Sie für Kitas?

„Besonders wichtig ist, jede Kita individuell zu betrachten. Wie sehen zum Beispiel die baulichen und personellen Strukturen der Einrichtung aus? Diese gestalten sich von Kita zu Kita unterschiedlich und können sich im Laufe der Zeit auch verändern. Die Schutzmaßnahmen sollten immer aus der Einrichtung heraus beim Aktualisieren der Gefährdungsbeurteilung entwickelt werden – je nachdem welche Voraussetzungen bestehen und in welcher Situation sich die Einrichtung gerade befindet. Es gibt zum Beispiel eingruppige Einrichtungen, die mehr oder weniger mit einer Großtagespflegestelle vergleichbar sind. Es gibt aber auch große Kitas mit zehn oder zwölf Gruppen, die fast einer Grundschule ähneln. In diesen Kitas kann dann zum Beispiel ein Einbahn-Wege-System angelegt werden, sodass ein unnötiges Aufeinandertreffen vermieden wird. Bei großen Kitas macht das Sinn. Bei kleinen Einrichtungen hingegen nicht. Die Schutzmaßnahmen können sich also im Einzelfall unterscheiden.“

Wie können pädagogische Fachkräfte noch geschützt werden?

„Es trägt immer zum Schutz der pädagogischen Fachkräfte bei, wenn man auf Schutzmaßnahmen achtet. Für Kitas ist es zum Beispiel selbstverständlich, in engem Austausch mit Familien zu stehen. Die pädagogischen Fachkräfte könnten hier regelmäßig auf das Einhalten der Abstandsregelungen hinweisen. Zudem sollten externe Personen wie Eltern oder Handwerker, wenn sie sich längere Zeit in der Einrichtung aufhalten, einen Mund-Nase-Schutz tragen. Wenn sich pädagogische Fachkräfte besonders gefährdet sehen, können sie auch Kontakt zur betriebsärztlichen Beratung aufnehmen, um individuelle Schutzmaßnahmen zu besprechen.“

Wer ist für den Arbeitsschutz in Kitas eigentlich zuständig?

„Für den Arbeitsschutz trägt immer der Unternehmer die Verantwortung. Bei den Kitas sind das die Träger. Diese führen eine Gefährdungsbeurteilung durch und lassen sich dabei häufig von der Fachkraft für Arbeitssicherheit und der Betriebsärztin oder dem Betriebsarzt beraten. Die Beschäftigten sind verpflichtet, die vorgesehenen Schutzmaßnahmen zu beachten, weshalb es sinnvoll ist, sie auch bei der Festlegung derselben zu beteiligen.“

Wo finden Kitas weitere Informationen?

„Eine gute Informationsgrundlage für den Arbeitsschutz in Kitas in Zeiten von Corona ist der SARS-CoV-2-Schutzstandard Kindertagesbetreuung der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Er zeigt zum Beispiel auch auf, in welchen Situationen das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes in der Kita sinnvoll ist. Ergänzend beachtet werden müssen darüber hinaus spezifische Regelungen in einzelnen Bundesländern. Das können Empfehlungen und Handreichungen oder auch verbindliche Regelungen der zuständigen Ministerien sein. Auf der Internetseite der DGUV stehen neben dem SARS-CoV-2 Schutzstandard Kindertagesbetreuung auch die landesspezifische Hinweise der Unfallkassen, Berufsgenossenschaften und der Bundesländer gebündelt zur Verfügung.“

 

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