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Über den Mehrwert von Teamberatungen

Experteninterview mit Prof. Dr. Dörte Weltzien

Was macht Ihrer Ansicht nach eine gute und erfolgreiche Teamberatung aus?

Gute Teamberatung basiert auf einer werteorientierten Grundhaltung, die von Wertschätzung und Akzeptanz – auch der Vielfalt im Team gegenüber – geprägt ist. Nur eine kompetenzorientierte Anerkennung der fachlichen Qualifikationen und der persönlichen Ressourcen und Stärken bietet die Chance, dass eine kollegiale Beratung auch die gewünschten Effekte hat. Wir stellen in vielen Teams fest, dass zwar eine allgemeine Zufriedenheit mit den Arbeitsweisen im Team besteht, es aber gleichzeitig Tabuthemen gibt, über die kaum gesprochen wird. Hierzu gehören beispielsweise kollegiale Beobachtung, die videogestützte Beobachtung von Fachkraft-Kind-Interaktionen und die systematische Analyse der Videosequenzen im Team. In den Teams schlummern große Qualitätsreserven, die über eine gute fachliche Begleitung und Beratung freigesetzt werden könnten.

Wie können Erzieherinnen und Erzieher beim Übergang von der Fachschule in den Beruf oder beim Wiedereinstieg in den Beruf fachlich unterstützt werden?

Unserer Erfahrung mit Absolventinnen und Absolventen unserer Hochschulstudiengänge nach ist ein „sanfter“ Übergang in den Beruf am vorteilhaftesten. Das bedeutet nicht etwa Teilzeit oder Hospitation, sondern eine engmaschige Begleitung und Anleitung durch kompetente Teammitglieder (beispielsweise über eine Fachkraft für Anleitung bzw. eine Praxismentorin oder einen Praxismentor). Viele Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger fühlen sich zu Beginn ihrer beruflichen Praxis allein gelassen oder sind verunsichert. Daher rührt das Phänomen, dass sie ihre aktuellen theoretisch erworbenen Fachkenntnisse „vergessen“ und sich an die erlebte Praxis anpassen. Damit ist ein messbarer Kompetenzrückgang verbunden. Das kann vermieden werden, wenn über systematische kollegiale Beratung und begleitende Fortbildungs- und Coachingangebote von Beginn an eine enge Verknüpfung von Praxis und Theorie hergestellt wird. Als besonders förderlich hat sich begleitende Supervision durch den Träger in den ersten Monaten erwiesen, in der beispielsweise die Zusammenarbeit im Team und die eigene Rolle reflektiert werden können. Je besser der Einstieg fachlich begleitet wird, desto schneller werden die Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger Verantwortung übernehmen können. Aber auch hier gilt: Ohne entsprechende Zeitressourcen sind solche Erfolgsfaktoren nicht zu erreichen. Hier sind die Träger gefordert, Qualitätsstandards für die Berufseinstiegsphase zu entwickeln.

Erzieherinnen und Erzieher, die eine Funktionsstelle innerhalb einer Einrichtung übernehmen, müssen zunächst ihre Rolle klären und neue Methoden etablieren. Wie kann dieser Einstieg gut gelingen?

Auch die Spezialistinnen und Spezialisten im Team brauchen eine „Einstiegsphase“, weil sie mehr Entscheidungs- und Handlungsspielräume bekommen, aber auch mit mehr Verantwortung und neuen Rollenzuschreibungen und -erwartungen konfrontiert werden. Bisher galten pädagogische Teams in Kitas häufig als homogene Gruppe, in der „alle das Gleiche machen“. In den pädagogischen Kernbereichen wie beispielsweise der Gestaltung von Beziehungs- und Bildungsangeboten für Kinder und der Zusammenarbeit mit Familien wird dies auch weiterhin so sein. Daneben ist aber auch eine kompetenzorientierte Anerkennung von besonderem Wissen und Können einzelner Teammitglieder sinnvoll, weil sich über Funktionsstellen und Spezialwissen eine besondere gemeinsame Stärke im Team entwickeln kann. Diese Stärke wird auch durch Dritte, beispielsweise durch Kooperationspartner im Sozialraum, anerkannt.

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