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Entwicklungs- und Karriereperspektiven in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung

Gesellschaftliche Entwicklungen wie Zuwanderung, Digitalisierung oder die Einführung des Rechtsanspruchs ab dem vollendeten ersten Lebensjahr, der zu einer kontinuierlichen Zunahme von jüngeren Kindern in den Einrichtungen geführt hat, stellen die Kindertagesbetreuung immer wieder vor neue Herausforderungen. Sie erfordern veränderte Wissensstände und Kompetenzen von pädagogischen Fachkräften. Auch ändern sich die Orte und Strukturen der frühkindlichen Bildung – zum Beispiel durch den neuen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab 2026. Aus den wachsenden Anforderungen ergeben sich aber auch neue Entwicklungsperspektiven für pädagogische Fachkräfte in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung. Die Förderung von Fortbildungen und beruflichen Karrierewegen des Personals kann zudem dazu beitragen, die Qualität in der Kindertagesbetreuung und die Attraktivität des Berufs zu steigern. 

Die Handlungsfelder, die sich für eine Spezialisierung und Professionalisierung von Einrichtungen und Personal eignen, sind dabei vielfältig und bieten unterschiedliche Möglichkeiten für Fachkarrieren. Die Kurzstudie "Zukunftsfelder für Erzieherberufe - Fachkarrieren in der frühen Bildung" untersucht, welche Themenfelder für die frühe Bildung wichtiger werden und sich für Aufstiegs- und Karrierewege in der frühkindlichen Bildung eignen. Sie betrachtet exemplarisch drei Zukunftsfelder für den Erzieherberuf, in denen sich durch eine Spezialisierung Fachkarrieren eröffnen könnten: Praxisanleitung, digitale Medienbildung und Grundschulkinderpädagogik.

Zukunftsfelder in der frühkindlichen Bildung

Damit alle Kinder von Anfang an von guten Bildungsangeboten profitieren, ist die alltagsintegrierte sprachliche Bildung ein fester Bestandteil in der Kindertagesbetreuung. Insbesondere für Kinder aus bildungsbenachteiligten Familien  und Familien, in denen zu Hause nicht Deutsch gesprochen wird, bietet sie eine wichtige Grundlage für den Spracherwerb und die Sprachverbesserung. Gefordert sind deshalb pädagogische Fachkräfte mit Kompetenzen im Bereich der sprachlichen Bildung. Das Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel der Welt ist“ fördert zusätzliche Sprach-Fachkräfte für die am Programm teilnehmenden Sprach-Kitas. Bundesweit ist etwa jede zehnte Kita eine Sprach-Kita. Der Stellenmarkt des Fachkräfteportals der Kinder- und Jugendhilfe ermöglicht Fachkräften oder Fachberatungen mit Expertise im Bereich sprachliche Bildung die Suche nach offenen Stellen.

Gute Kindertagesbetreuung stärkt die Chancengleichheit von Kindern. Das Bundesfamilienministerium fördert daher niedrigschwellige Angebote, die den Zugang zur Kindertagesbetreuung vorbereiten und unterstützend begleiten, zum Beispiel indem sie Familien über die Möglichkeiten der frühen Bildung in Deutschland informieren und Einblicke geben. Im Bundesprogramm „Kita-Einstieg: Brücken Bauen in frühe Bildung“ sind pädagogische Fachkräfte als Koordinierungs- und Netzwerkstelle tätig oder setzen als pädagogische Fachkräfte die Angebote vor Ort in den Kitas um. Dafür fördert das Programm unter anderem Qualifizierungsmaßnahmen für Fachkräfte und stellt Projektmittel bereit. Auch das Programm „Elternchance II – Familien früh für Bildung gewinnen“, finanziert durch das BMFSFJ und den Europäischen Sozialfonds fördert von 2015 bis 2021 die Qualifizierung von Fachkräften aus der Eltern- und Familienbildung zu zertifizierten Elternbegleiterinnen und Elternbegleitern. Sie sind das Bindeglied zwischen Eltern und Bildungsinstitutionen und kooperieren mit anderen Einrichtungen und sozialen Diensten im Sozialraum.

Damit angehende Erzieherinnen und Erzieher auf ihrem Ausbildungsweg gut begleitet werden, ist eine qualitativ hochwertige Praxisanleitung wichtig. Die Praxisanleiterin oder der Praxisanleiter ist feste Ansprechperson für Fragen und Anliegen der Auszubildenden und führt mit ihnen regelmäßige Feedbackgespräche, in denen sie gemeinsam die pädagogische Arbeit und die Zusammenarbeit im Team reflektieren. Als Praxisanleiter oder Praxisanleiterin übernehmen Fachkräfte so auch Ausbildungs- und Lehrtätigkeiten, tragen zur Organisationsentwicklung bei und übernehmen koordinierende Aufgaben. Das macht die Praxisanleitung zu einem geeigneten Feld für die berufliche Entwicklung. Mit der „Anleitungsqualifizierung“ fördert das Bundesprogramm „Fachkräfteoffensive für Erzieherinnen und Erzieher“ eine Verbesserung der Qualität der Praxisanleitung und eine Freistellung der Fachkräfte für diese zusätzlichen Aufgaben. Eine professionelle Anleitung sichert ein gutes Ausbildungsniveau. 
 

Digitale Medien gewinnen in der Kindertagesbetreuung immer mehr an Bedeutung. Vor allem während der Corona-Pandemie wird deutlich: Digitale Medien können den Kita-Alltag ergänzen, unterstützen und bereichern. Richtig eingesetzt können Tablets oder Smartphones sowohl für Kinder und Eltern als auch für pädagogische Fachkräfte viele Vorteile bringen. Dies eröffnet neue Entwicklungsmöglichkeiten für pädagogische Fachkräfte, denn besondere Kompetenzen in der Medienerziehung und im Umgang mit neuen Technologien sind gefordert. Der Bund stellt mit dem Corona-Konjunkturpaket in den Jahren 2020 und 2021 zusätzlich eine Milliarde Euro bereit. Diese Mittel können grundsätzlich auch für Umbaumaßnahmen und Investitionen in die Digitalisierung genutzt werden. Dabei sind die Förderrichtlinien der Länder zu beachten. Die Studie „Zukunftsfelder für Erzieherberufe – Fachkarrieren in der frühen Bildung“ beleuchtete das Thema Digitalisierung als Entwicklungsbereich für pädagogische Fachkräfte.

Da der Unterricht bislang häufig mittags endet, stehen Eltern oftmals vor der Herausforderung, eine bedarfsgerechte Betreuung für ihre Kinder zu organisieren. Das Bundeskabinett hat deshalb im Mai 2021 den Entwurf des Ganztagsförderungsgesetzes (GaFöG) verabschiedet, mit dem ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter ab dem 1. August 2026 stufenweise eingeführt werden soll. Ab August 2026 sollen zunächst alle Kinder der ersten Klassenstufe einen Anspruch darauf haben, ganztägig gefördert zu werden. Der Anspruch wird in den Folgejahren um je eine Klassenstufe ausgeweitet. Somit soll ab August 2029 jedes Grundschulkind der Klassenstufen 1 bis 4 einen Anspruch auf ganztägige Betreuung haben. Der Rechtsanspruch soll sowohl in Horten als auch in offenen und gebundenen Ganztagsschulen erfüllt werden können. Der Bund unterstützt den Ausbau mit bis zu 3,5 Milliarden Euro für Investitionen in Ganztagsschul- und Betreuungsangebote. Auch an den laufenden Kosten wird sich der Bund beteiligen und damit die Länder unterstützen. Die Mittel sollen ab 2026 jährlich anwachsen und 2030 dann 960 Millionen Euro pro Jahr erreichen. Der Gesetzentwurf wurde vom Deutschen Bundestag verabschiedet, noch nicht vom Bundesrat. Die zunehmende Bedeutung der Ganztagsbildung und -betreuung von Schulkindern eröffnet für pädagogische Fachkräfte neue Entwicklungs- und Karriereperspektiven in der Grundschulkinderpädagogik. Die Studie „Zukunftsfelder für Erzieherberufe - Fachkarrieren in der frühen Bildung“ beleuchtete das Thema Ganztagsbetreuung als Entwicklungsbereich für pädagogische Fachkräfte.

Fort- und Weiterbildungen

Fort- und Weiterbildungen sind wichtige Voraussetzungen für Qualitätssicherung in Kindertageseinrichtungen und zugleich Entwicklungspfade für pädagogische Fachkräfte. Sie frischen ihre bereits erworbenen Qualifikationen für die Arbeit in der Kindertagesbetreuung auf, erweitern und vertiefen sie. Fort- und Weiterbildungsangebote können außerdem gezielt genutzt werden, um sich in bestimmten Themenfeldern zu spezialisieren. Die Themen sind dabei so vielfältig wie die pädagogische Arbeit selbst. Daher ist es wichtig, sich zunächst mit den spezifischen Anforderungen im Betreuungsalltag und der eigenen beruflichen Karriereentwicklung auseinanderzusetzen.
 

Eine Fülle an unterschiedlichen Einrichtungen bietet Fort- und Weiterbildungen für pädagogische Fachkräfte an. Dazu zählen neben staatlichen auch private Anbieter, bei denen Sie allerdings darauf achten sollten, dass diese staatlich anerkannt sind und die Träger nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zum Anbieten der Maßnahmen berechtigt sind. Auch die Wohlfahrtsverbände Arbeiterwohlfahrt (AWO), Deutscher Caritas Verband (DCV) und Der Paritätische Gesamtverband sowie staatliche Einrichtungen wie Volkshochschulen oder (Berufs-)Fachhochschulen führen zahlreiche Fort- und Weiterbildungen durch. 

Um eine passende Fort- oder Weiterbildung in Ihrer Region zu finden, können interessierte Fachkräfte sich online im KURSNET der Bundesagentur für Arbeit informieren oder sich vor Ort an ihre Agentur für Arbeit wenden. Mit der Metasuchmaschine für Weiterbildungskurse des Deutschen Bildungsservers lässt sich gezielt nach Angeboten in der Nähe und bestimmten Themenfeldern suchen. Die Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (wiff) gibt Anregungen zu Weiterbildungsthemen. Beim Deutschen Bildungsserver sind außerdem viele Angebote zu speziellen Praxisbereichen wie interkulturelle Bildung oder Medienerziehung aufgelistet.

Auch bei den Landesjugendämtern, Landesinstituten oder Bildungsservern der Bundesländer lassen sich Fort- und Weiterbildungsangebote finden:

Baden-Württemberg:
Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg

Bayern:
Staatsinstitut für Frühpädagogik

Bayrisches Landesjugendamt

Berlin und Brandenburg:
Sozialpädagogisches Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg

Bremen:
Programm Frühkindliche Bildung

Hamburg:
Sozialpädagogisches Fortbildungszentrum

Hamburgs Kursportal WISY: Weiterbildungskurse und telefonische Beratung

Mecklenburg-Vorpommern:
Schabernack - Zentrum für Praxis und Theorie der Jugendhilfe e.V.

Bildungsserver

Niedersachsen:
Niedersächsisches Kultusministerium

Nordrhein-Westfalen:
LVR-Landesjugendamt - Landschaftsverband Rheinland

LWL-Landesjugendamt Westfalen – Landschaftsverband Westfalen-Lippe

Rheinland-Pfalz:
Sozialpädagogisches Fortbildungszentrum (SPFZ)

Saarland:
Landesinstitut für Pädagogik und Medien

Landesjugendamt Saarland

Sachsen:
Kita-Bildungsserver

Landesjugendamt Sachsen

Sachsen-Anhalt:
Landesjugendamt Sachsen-Anhalt

Schleswig-Holstein:
Ministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung

Thüringen:
Landesjugendamt Thüringen

Kurzfristige Präsenzveranstaltungen sind die am häufigsten genutzten Fortbildungsangebote. Sie dauern meist nur wenige Tage und finden in einer Fortbildungseinrichtung statt. Aufgrund des begrenzten Zeitumfangs werden hier spezifische Themen behandelt.

In-House-Seminare bieten sich besonders dann an, wenn das ganze Team zu einem bestimmten Thema zusätzliches Wissen erlangen soll. Der Referent oder die Referentin hält hier meist ein eintägiges Seminar in der Einrichtung, wobei er gezielt auf die Bedürfnisse und Anforderungen vor Ort eingehen kann.

Fernlehrgänge oder E-Learning sind Fort- oder Weiterbildungsangebote, bei denen die Inhalte über ein Online-Portal oder über per Post oder E-Mail zugesandte Materialien vermittelt werden. So können die Kursteilnehmerinnen und –teilnehmer zeitlich flexibel lernen. Allerdings ist der fachliche Austausch zwischen den beteiligten pädagogischen Fachkräften hier sehr beschränkt.

Fortlaufende Weiterbildungsangebote bieten den Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Gegensatz zu Fortbildungen häufig den Erwerb einer zusätzlichen Qualifikation. Die Angebote finden meist in berufsbegleitenden Seminaren statt und schließen mit einer Zertifizierung ab.

Bringt die Fortbildungsmaßnahme maßgeblichen Nutzen für die Ausübung der beruflichen Tätigkeit der Arbeitnehmerin oder des Arbeitnehmers, sind viele Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber dazu bereit, diese zu fördern.

In der Regel steht Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern eine bestimmte Anzahl von Tagen zur Verfügung, die sie für die Teilnahme an Weiterbildungsangeboten nutzen können. Dieser Bildungsurlaub variiert allerdings je nach Bundesland.

Ist eine Förderung durch die Arbeitgeberin oder den Arbeitgeber nicht möglich, so besteht die Möglichkeit, vom Stipendien, Bafög oder Bildungsgutscheine in Anspruch zu nehmen.

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