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Medienbildung in Kitas: Welche Synergien schafft ein lokales Netzwerk?

Interview mit Christiane Simon und Petra Raschke-Otto zu ihrer Arbeit im MedienKompetenzNetzwerk Hamm (mkn.Hamm)

„Der Zeitpunkt ist gut gewählt, denn durch die Corona-Pandemie stellt sich nicht mehr die Frage, ob in Kitas digital gearbeitet werden soll, sondern wie.“

Im Februar 2016 wurde das MedienKompetenzNetzwerk Hamm (mkn.Hamm) gegründet. Christiane Simon und Petra Raschke-Otto sind Mitgründerinnen des Netzwerkes. Sie arbeiten beim Medienzentrum in Hamm, welches eines der Kernteams des Netzwerkes bildet. Christiane Simon leitet das Medienzentrum bereits seit mehreren Jahren. Als ehemalige Lehrkraft betreut sie die schulische Medienarbeit. Petra Raschke-Otto ist Kommunikationswissenschaftlerin und hat viele Jahre als freiberufliche Medienpädagogin gearbeitet. Seit 2013 arbeitet sie beim Medienzentrum und ist dort für die außerschulische Medienarbeit mit dem Fokus auf Kitas zuständig.

Das mkn.Hamm gehört auch zum Netzwerk des Initiativbüros „Gutes Aufwachsen mit Medien“. Dieses wird vom Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) gefördert und unterstützt Vernetzungen und Kooperationen zwischen den Akteuren in der Medienerziehung. Zudem bietet es regional übergreifende Austauschrunden an. Auf dem Kinder- und Jugendhilfetag 2017 erhielt das mkn.Hamm das Gütesiegel „Gutes Aufwachsen mit Medien“.

Im Gespräch berichten Christiane Simon und Petra Raschke-Otto über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen mit dem MedienKompetenzNetzwerk – speziell mit dem Schwerpunkt der Medienbildung in Kitas.

Wie ist das mkn.Hamm entstanden?

Christiane Simon: „In Hamm bestand schon vor der Gründung des Netzwerkes in 2016 die Idee, sich im Bereich Medienkompetenz besser zu vernetzen. Die Landesanstalt für Medien hat unsere Gründung gefördert. Mit der zunehmenden Digitalisierung kommen immer mehr Herausforderungen auf viele verschiedene Zielgruppen zu: in Ämtern, Institutionen, Schulen, Kitas, Bildungseinrichtungen, Wohlfahrts- und Kulturverbänden sowie Wirtschaftsunternehmen. Deshalb wollten wird bewusst von Beginn an das Netzwerk weit öffnen.“

Welche Akteure arbeiten in dem lokalen Netzwerk zusammen? Wie findet der Austausch unter den verschiedenen Akteuren statt? Welche Synergieeffekte gibt es?

Christiane Simon: „Die Netzwerkpartnerinnen und Netzwerkpartner haben sich auf eine offene Struktur und einen lockeren Verbund verständigt, um unter anderem intern kleinere Kooperationen eingehen zu können. Wir zwei, als Vertreterinnen des Medienzentrums, bilden innerhalb des Netzwerkes das Kernteam. Wir kooperieren mit weiteren Netzwerkpartnerinnen und Netzwerkpartnern in Hamm: Zum Beispiel mit dem Jugendamt, der Jugendsuchtberatung, Kitas, Schulen oder der Caritas. In einem offenen Planungsteam organisieren wir gemeinsam jährlich einen Fachtag zu einem aktuellen Medienthema. Neben Vorträgen gibt es dort zielgruppenspezifische Workshops, unter anderem für Kitas und Schulen. Der Fachtag wird mit jedem Jahr besser besucht. Dieses Jahr findet er am 24. Mai 2022 unter dem Motto „ONLIFE-BALANCE: Willkommen in der digitalen Realität“ statt. Zudem bietet der Fachtag die Möglichkeit, dass sich die unterschiedlichen Akteure im Bereich digitaler Medien vernetzen. In Hamm wissen wir genau, wen wir für welches Thema ansprechen können. Das ist viel wert!“

Wie können Träger und pädagogische Fachkräfte in der Medienerziehung unterstützt werden? Was benötigen sie in den Kitas?

Petra Raschke-Otto: „Leider ist es immer noch so, dass das Thema Medienbildung in vielen Kitas zu kurz kommt. Im frühkindlichen Bildungsbereich stellt sich die Lage sehr heterogen dar: Mit der Vielzahl an Trägern werden unterschiedliche Ansätze zur Medienbildung verfolgt. Leider fehlt vielerorts weiterhin die digitale Infrastruktur. Dabei braucht es für die Medienbildung in Kitas kein umfangreiches Equipment. Es müssen aber zumindest die Grundvoraussetzungen stimmen, wie beispielsweise eine stabile Internetverbindung oder Mobilgeräte, die Fachkräfte dienstlich nutzen können.

Ob Medienbildung in Kitas überhaupt stattfindet oder nicht, hängt stark vom Engagement der einzelnen Teams bzw. pädagogischen Fachkräfte ab. Es gibt finanzielle Förderungen, die auf Kommunal-, Landes- oder Bundesebene bereitstehen und die für eine zeitgemäße, digitale Infrastruktur in Kitas genutzt werden können. Teilweise kontaktieren uns Kita-Leitungen, um zu fragen, welche Anschaffungen aus den Förderungen wichtig wären. Das finde ich super, denn die finanziellen Ressourcen sollten sinnvoll investiert werden. Wir können beim Medienzentrum auf einen breiten Erfahrungsschatz zurückgreifen und beraten sowohl Kitas als auch Schulen sehr gern dabei.

Ich nehme bei pädagogischen Fachkräften – auch außerhalb des mkn.Hamm – ein Interesse, aber auch einen großen Unterstützungsbedarf an bzw. für die Medienbildung wahr. Deshalb braucht es ausreichend Fort- und Weiterbildungsangebote. Hier sollten zentrale Fragen zur Medienbildung in Kitas diskutiert werden: Was können wir mit digitalen Medien in der Kita machen? Wie lassen sie sich in den Kita-Alltag integrieren? Wie können wir digitale Medien in unser pädagogisches Konzept integrieren? Wie können wir mit digitalen Medien kreativ werden und das Interesse bei Kindern wecken und sie begleiten?“

Christiane Simon: „Wir beobachten, dass sich viele Kitas auf den Weg machen möchten. Doch oft fehlt dort einfach die systematische Unterstützungsstruktur, wie sie zum Beispiel in Schulen existiert. Mit sehr engagierten Kita-Leitungen und Erzieherinnen und Erziehern gelingt es einigen Einrichtungen besser, sich auf den Weg zu machen, als anderen Kitas. Auch in Hamm haben wir einige Leuchtturm-Kitas, die für die anderen wegweisend sind und Orientierung bieten.“

Welche Angebote sind für Kitas durch die Netzwerkarbeit in Hamm entstanden?

Christiane Simon: „Am 25. und 26. März fand in Hamm eine Fachtagung zur „Digitalen Bildung in der KITA 2022“ statt. Diese haben wir gemeinsam in Kooperation mit der Evangelischen Erwachsenenbildung Hamm umgesetzt. Der Kontakt und die Idee dazu sind über das mkn.Hamm entstanden. Neben fachlichen Inputs gab es ein umfassendes praxisorientiertes Workshopangebot.“

Petra Raschke-Otto: „Auf der diesjährigen Fachtagung im Mai möchten wir gemeinsam erörtern, was die Digitalisierung, zum Beispiel im Hinblick auf die Elternarbeit und die frühkindliche Bildung, für Kitas bedeutet. Die Diskussionen dazu möchten wir als Anlass nehmen, um für Kitas ein weiteres Netzwerk in Hamm zu gründen. Denn die Bedarfe in den Kitas sind sehr speziell. Es ist schwierig, diesen in einem so großen Verbund wie dem mkn.Hamm mit weiteren Zielgruppen gerecht zu werden. Ein loser Verbund bietet gute Netzwerkgelegenheiten, schafft aber keine konkreten Projekte. Um diese ins Laufen zu bringen, braucht es einen kleineren Verbund mit konkreten Ansprechpersonen, die sich zuständig fühlen, eine Struktur etablieren, sich um finanzielle Mittel kümmern oder Equipment beschaffen. Der Zeitpunkt ist gut gewählt, denn durch die Corona-Pandemie stellt sich nicht mehr die Frage, ob in Kitas digital gearbeitet werden soll, sondern wie.“

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