Logo des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Zusatzlogo: Gezeichnetes Kind springt auf farbigen rechteckigen Blöcken.

Aktivitäten der Europäischen Union

Die Europäische Union (EU) beschäftigt sich seit Mitte der 1980er Jahre mit dem Thema Kinderbetreuung. Dies geschah zunächst vorrangig unter der Perspektive der Gleichbehandlung von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt. Mit der im Jahr 2000 beschlossenen Lissabon-Strategie wird vorrangig das Ziel verfolgt, die Beschäftigungsfähigkeit von Frauen durch einen quantitativen Ausbau der Kinderbetreuung und die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erhöhen. Die 2010 verabschiedete Nachfolgestrategie "Europa 2020" legt einen Schwerpunkt auf Bildung und lebenslanges Lernen als Garanten für nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Frühkindliche Bildung wird als Fundament für erfolgreiches Lernen angesehen. Für zwei der fünf strategischen Schlüsselziele der Strategie "Europa 2020", die bis 2020 erreicht werden sollen, wird der frühkindlichen Bildung eine wichtige Rolle zugeschrieben: Die Verringerung des Anteils der Schulabbrecher auf unter 10 Prozent und die Verringerung der Zahl armutsgefährdeter Personen um 20 Millionen. In diesem Zusammenhang erhielt die Qualität der Angebote frühkindlicher Bildung und Betreuung verstärkte Aufmerksamkeit.

Meilensteine

Wichtige Impulse für die Qualitätsentwicklung der öffentlichen Kinderbetreuung lieferte die Arbeit des Netzwerks "Kinderbetreuung und andere Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer der Europäischen Kommission". Das Netzwerk europäischer Experten aus der Wissenschaft war von 1986 bis 1996 tätig. Es legte zum Abschluss ein Programm mit 40 Qualitätszielen für Kindertageseinrichtungen (englisch) (PDF, 351 KB, nicht barrierefrei) vor. Darin werden u. a. eine kohärente nationale Kinderbetreuungspolitik und höhere öffentliche Investitionen in die frühkindliche Bildung und Betreuung gefordert. Darüber hinaus sind Qualitätsziele zum Bildungsverständnis, zur Personalausstattung, zur Zusammenarbeit mit Eltern sowie zum Qualitätsmonitoring formuliert. Die Mitgliedsstaaten sollten die Ziele in einem zehnjährigen Aktionsprogramm umsetzen.

Das Netzwerk wollte die politische Aufmerksamkeit auf die Bedürfnisse von Familien und Kindern lenken und in der gesamten Gesellschaft eine Diskussion über Ziele, Wertorientierungen und pädagogische Praxis in der Kinderbetreuung initiieren. Die Definition von Qualität war ein kontinuierlicher und demokratischer Prozess: Ein erster Entwurf zu den Qualitätszielen wurde an mehr als 3.000 Institutionen und Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) im Bereich der Kinder- und Familienpolitik verschickt; deren Kommentare wurden dann in der endgültigen Fassung berücksichtigt.

Um die Wettbewerbsfähigkeit Europas langfristig zu sichern, wurde im Jahr 2000 vom Europäischen Rat auf einem Sondergipfel in Lissabon die Europäische Wachstums- und Beschäftigungsstrategie (die sogenannte Lissabon-Strategie) ins Leben gerufen. Die darin enthaltenen Maßnahmen sollten die Europäische Union bis zum Jahr 2010 in die Lage versetzen, ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und einem stärkeren sozialen Zusammenhalt zu garantieren. In diesem Kontext wurde auch der Ausbau der Kinderbetreuung gefordert.

Zwei Jahre später, bei seiner Zusammenkunft in Barcelona 2002, unterlegte der Europäische Rat die Forderung nach einem Ausbau der Kindertagesbetreuung mit konkreten Zahlen, die als Barcelona-Ziele bekannt wurden: Die Mitgliedsländer sollten bestrebt sein, "nach Maßgabe der Nachfrage nach Kinderbetreuungseinrichtungen und im Einklang mit den einzelstaatlichen Vorgaben für das Versorgungsangebot bis 2010 für mindestens 90 % der Kinder zwischen drei Jahren und dem Schulpflichtalter und für mindestens 33 % der Kinder unter drei Jahren Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen". Dadurch sollten die Hürden für eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen beseitigt und das weibliche Arbeitskräftereservoir besser ausgeschöpft werden. Die Barcelona-Ziele wurden in den Folgejahren zu einem wichtigen Motor für den Ausbau der Kinderbetreuung in den Mitgliedsländern. Sie wurden jedoch bis heute in vielen Ländern nicht erreicht.

Die Umsetzung der Ziele wurde in Kommissionsberichten (PDF, 45,8 KB, nicht barrierefrei) überprüft. Diese kritisierten den langsamen Ausbaufortschritt, den hohen Preis der Kindertagesbetreuung und ihre fehlende Anpassung an die zeitlichen Bedürfnisse erwerbstätiger Eltern. Die Kommission betonte zugleich, dass die Qualität der Betreuungseinrichtungen erhöht werden müsse, wozu auch eine verbesserte Ausbildung, höhere gesellschaftliche Wertschätzung und besseres Entgelt für das Betreuungspersonal zählt.

FrGleichzeitig rückte der Fokus auf die die frühkindliche Bildung im Kontext der Förderung von Bildung und lebenslangem Lernen. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigten, dass frühkindliche Bildung eine wichtige Rolle für den späteren Bildungserfolg spielt, insbesondere bei Kindern aus benachteiligten Gruppen. So fordert z. B. die "Mitteilung zur künftigen Zusammenarbeit bei der allgemeinen und beruflichen Bildung für den Zeitraum bis 2020" aus dem Jahr 2008 den Abbau von Bildungsbenachteiligung durch Vorschulbildung. In der Folge einigten sich die Mitgliedstaaten, die Zusammenarbeit zur Förderung von Qualität und Gleichheit in diesem Bereich zu verstärken.

Im Februar 2011 umriss die Europäische Kommission die wichtigsten Aufgaben für die künftige europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der frühkindlichen Bildung und Betreuung in ihrer Mitteilung "Frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung: der bestmögliche Start für alle unsere Kinder in die Welt von morgen" (PDF, 62 KB, nicht barrierefrei). Darin wird das Ziel formuliert, den Zugang zur frühkindlichen Bildung, Betreuung Erziehung von Geburt bis zum Beginn der Schulpflicht zu verbessern. Gleichzeitig soll die Qualität der Angebote erhöht werden. Zentrale Herausforderungen sind die Erreichung eines ganzheitlichen Bildungsverständnisses, die Professionalisierung der Beschäftigten, die Fachkräftegewinnung und -bindung, die Erleichterung von Übergängen zwischen Bildungsphasen und -angeboten sowie die Qualitätssicherung.

Der Rat der Europäischen Union griff im Juni 2011 diese Vorschläge auf und setzte einen Prozess der politischen Zusammenarbeit auf europäischer Ebene in Gang. Dies führte im Frühjahr 2012 zur Einrichtung einer Thematischen Arbeitsgruppe "Frühkindliche Bildung und Betreuung", die den Auftrag erhielt, als Orientierungsrahmen für die Politik konkrete Empfehlungen und Kriterien für die Weiterentwicklung der Qualität der frühkindlichen Bildung und Betreuung zu erarbeiten.

Seminarteilnehmer beim Notien machen

EU-Arbeitsgruppe Frühkindliche Bildung und Betreuung

Die EU-Arbeitsgruppe Frühkindliche Bildung und Betreuung entwickelt Empfehlungen für Systeme frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung.
mehr

Papierstapel

OECD-Netzwerk zur Frühkindlichen Bildung und Betreuung

Das OECD-Netzwerk zur Frühkindlichen Bildung und Betreuung entwickelt Politikstrategien für die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung.
mehr

Seite drucken
Junge mit Gitarre

Newsletter

Der Newsletter hält Sie regelmäßig über aktuelle Informationen rund um Kindertagesbetreuung und frühkindliche Bildung auf dem Laufenden. mehr

Kinder mit Fluchthintergrund in der Kindertagesbetreuung

Der strukturierte Alltag und die kindgerechte Umgebung in Kitas und Tagespflegestellen erlauben Kindern mit Fluchthintergrund, sich sicher zu fühlen. Außerdem bieten Kinderbetreuungsangebote beste Voraussetzungen dafür, dass die Kinder rasch die deutsche Sprache lernen und Kontakte zu anderen Kindern knüpfen. mehr

Links & Downloads

Hier finden Sie interessante Links und Downloads rund um die Themen Kindertagesbetreuung und frühkindliche Bildung. mehr