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FAQs

Daten und Fakten

Kinder mit Fluchthintergrund sind alleine oder gemeinsam mit ihren Familien oder Verwandten vor Verfolgung, Krieg und Terror nach Deutschland geflohen. Im Jahr 2015 haben vor allem Kinder aus Syrien, Irak und Afghanistan in Deutschland Schutz gesucht.

Etwa ein Drittel aller nach Deutschland einreisenden Menschen sind Kinder und Jugendliche. Im Jahr 2015 waren gut 31 Prozent der Asylbewerberinnen und Asylbewerber jünger als 18 Jahre. 12,7 Prozent waren jünger als sechs Jahre (Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2016).

Alle Kinder profitieren von einer guten frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung. Kinder mit Fluchthintergrund erhalten vor allem die Möglichkeit, schnell die deutsche Sprache zu erlernen und Kontakte zu anderen Kindern zu knüpfen. Kindertagesbetreuung bietet ein sicheres Umfeld mit einem geregelten Tagesablauf, in dem die Kinder zur Ruhe kommen können. Außerdem verbessert der Besuch einer Kita oder einer Kindertagespflege die Bildungschancen der Kinder und ermöglicht ihren Eltern, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Da so die Integration der gesamten Familie unterstützt wird, sollten Kinder mit Fluchthintergrund möglichst bald nach ihrer Ankunft in einer Kita oder von einer Tagespflegeperson betreut werden. 

Bisher gibt es noch keine gesicherten Daten darüber, wie viele Kinder mit Fluchthintergrund eine Kita oder eine Kindertagespflege besuchen. Allerdings ist ihr Anteil an allen Kindern mit Fluchthintergrund in Deutschland relativ gering, da viele Familien zunächst andere Sorgen haben und sich um ihre Asylanträge oder eine Wohnung kümmern müssen. Außerdem ist für viele Familien das System der Kindertagesbetreuung in Deutschland noch fremd, weil sie es aus ihrer Heimat nicht kennen. Einige Familien möchten ihre Kinder nach einer langen Phase der Unsicherheit auch nicht direkt in eine außerfamiliäre Betreuung geben.

Es ist schwierig, den Bedarf an zusätzlichen Plätzen für Kinder mit Fluchthintergrund abzuschätzen. Aktuellen Schätzungen zufolge müssen jedoch neue Plätze geschaffen werden, um den Bedarf zu decken. Hierfür sind grundsätzlich die Länder und Kommunen zuständig, der Bund beteiligt sich an der Finanzierung. Die Autorengruppe des Bildungsberichts 2016 geht davon aus, dass im Jahr 2016 allein für die 2015 nach Deutschland gekommenen Kinder zusätzlich zwischen 44.000 und 58.000 Plätze in der Kindertagesbetreuung benötigt werden.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Kinder mit Fluchthintergrund haben wie alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf Bildung, Erziehung und Betreuung in einer Kita oder in der Kindertagespflege. Voraussetzung dafür ist, dass sie eine Aufenthaltsgestattung nach § 55 Asylverfahrensgesetz (AsylVfG) haben, die Familie die Erstaufnahmeeinrichtung verlassen hat und in der zugewiesenen Kommune in einer Anschlussunterkunft untergebracht ist.

Länder und Kommunen regeln die Höhe der Elternbeiträge für den Besuch einer Kita oder Kindertagespflege. Wenn Familien mit Fluchthintergrund in ihrer Anschlussunterkunft aufgenommen sind, können sie wie alle Familien mit geringem Einkommen einen Antrag auf Übernahme bzw. Teilübernahme des Elternbeitrages stellen (§ 90 Abs. 3 SGB VIII).

Eltern, die Leistungen aus dem AsylbLG beziehen, können wie Beziehende von Kinderzuschlag oder Wohngeld für ihre Kinder bis 18 Jahre Förderung aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) beantragen. Zu den geförderten Leistungen gehört z.B. ein Zuschuss zur Mittagsverpflegung oder zu Kita-Ausflügen. Für die Bildungs- und Teilhabeleistungen ist die Kommune verantwortlich.

Die Zugangsmöglichkeiten zum Arbeitsmarkt hängen maßgeblich vom aktuellen Aufenthaltsstatus der Person mit Fluchthintergrund ab. Anerkannte Asylbewerberinnen und Asylbewerber dürfen als Angestellte tätig sein oder einer selbstständigen Tätigkeit nachgehen. Personen, die über eine Aufenthaltsgestattung oder eine Duldung verfügen, dürfen nur unter bestimmten Bedingungen einer Beschäftigung nachgehen. Die häufigsten Fragen zu den Zugangsbedingungen werden auf der Internetseite des Bundesministeriums für Migration und Flüchtlinge beantwortet.

Für Personen mit Fluchthintergrund gibt es unabhängig vom Aufenthaltsstatus die Möglichkeit, gemeinnützig in einer Kita oder einer Kindertagespflegestelle zu unterstützen.

Pädagogische Arbeit

In einer Dienstbesprechung oder auf einem Team-Tag können gemeinsam im Team überlegen, wie sie auf die Betreuung von Kindern mit Fluchthintergrund vorbereitet sind. So können Bedarfe identifiziert und anschließend konkrete Maßnahmen geplant werden. Wichtig ist auch, Ängste und Sorgen im Team zu thematisieren und Unsicherheiten von Anfang an zu begegnen. Jens Hoffsommer vom Projekt Willkommenskitas erklärt im Interview, wie Sie am besten dabei vorgehen können.

Weitere Informationen

Am wichtigsten ist es, den Familien offen zu begegnen, um schnell eine Vertrauensbasis aufzubauen. Brückenangebote wie Eltern-Kind-Gruppen ermöglichen den Familien einen niedrigschwelligen Zugang. Auch Symbole, Visualisierungen, mehrsprachige Infomaterialien und Elternbriefe können den Schritt in die Kindertagesbetreuung erleichtern.

Es ist besonders wichtig, eine Vertrauensbasis zu schaffen. Eltern mit Fluchthintergrund kennen das deutsche Kita-System meistens nicht und benötigen zunächst grundlegende Informationen. Sie kennen aus ihren Ländern andere pädagogische Institutionen und Erziehungsvorstellungen. Mit der richtigen Haltung und einer Willkommenskultur in der Kita lässt sich eine Bildungs- und Erziehungspartnerschaft meist schnell aufbauen. 

Die größte Herausforderung in der Betreuung von Familien mit Fluchthintergrund ist die Sprache. Dies kann zu Missverständnissen führen, z.B. wenn die pädagogischen Fachkräfte den Kita-Alltag oder die Eingewöhnung nicht richtig erklären können. In den Praxisporträts und Interviews berichten Kitas, eine Tagespflegeperson und ein Träger, wie sie die sprachlichen Hürden meistern.

Sind Kitas oder Kindertagespflegepersonen im Sozialraum vernetzt, erleichtert dies den Familien mit Fluchthintergrund den Schritt in die Kindertagesbetreuung. Meistens kennen die Familien das deutsche Kita-System nicht. Durch die Vernetzung erfahren sie schnell von der Kindertagesbetreuung in Deutschland und dem Rechtsanspruch ab dem vollendeten ersten Lebensjahr. Sie erhalten auch Unterstützung bei der Anmeldung eines Betreuungsplatzes und knüpfen schnell Kontakte zu anderen Familien mit kleinen Kindern. Dies fördert die Integration der gesamten Familien. Das Beispiel der Kita Violett zeigt, wie die Vernetzung konkret aussehen kann.

Die Fluchterfahrung und Fluchtwege der Kinder sind sehr unterschiedlich. Viele Kinder waren auf der Flucht sehr klein oder wurden sogar erst in Deutschland geboren. Nicht alle geflüchteten Kinder sind also traumatisiert. Wenn Sie ein traumatisiertes Kind in Ihrer Einrichtung betreuen, ist es wichtig, die gewohnte gute pädagogische Arbeit zu leisten. Darüber hinaus können Sie die Familie an weitere Institutionen wie Therapeutinnen oder Therapeuten vermitteln. In den Praxisporträts und Interviews erfahren Sie, wie Kitas und Kindertagespflege mit traumatisierten Kindern umgehen. 

Kinder lernen viel schneller als Erwachsene eine neue Sprache. Beim Spielen mit Gleichaltrigen gelingt es ihnen ganz nebenbei, ihren Wortschatz auszubauen und die Grammatik zu erlernen. Mit alltagsintegrierter sprachlicher Bildung können die pädagogischen Fachkräfte diese Fähigkeiten unterstützen. Sie können ein sprachanregendes Umfeld schaffen und ihr Handeln mit Sprache begleiten. Aber auch Bücher in der Muttersprache der Kinder motivieren zum Sprechen. Im Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ steht eine zusätzliche Fachkraft zur Verfügung, die das ganze Team zu diesen Themen berät und begleitet. 

Natürlich ist es schwierig, sich ohne entsprechende Sprachkenntnisse zu verständigen. Bilder und Piktogramme können helfen, einige Hürden zu überwinden. Außerdem können Übersetzungs-Apps im Kita-Alltag nützliche Dienste erweisen. Unter Links und Downloads – Für Eltern finden Sie viele Informationen, die auf verschiedenen Sprachen verfügbar sind. Wenn es jedoch um rechtliche Angelegenheiten wie den Vertragsabschluss geht, sind Sie auf fachkundige Übersetzung durch Sprachmittlerinnen und Sprachmittler oder Gemeindedolmetscherinnen und –dolmetscher angewiesen. Die Hilfe anderer Eltern sollten Sie nur für solche Angelegenheiten nutzen, die nicht dem Datenschutz unterliegen und sensible Informationen enthalten.

Verschiedene Anbieter bieten mittlerweile Fort- und Weiterbildungen speziell zum Thema Integration von Kindern mit Fluchthintergrund, alltagsintegrierte sprachliche Bildung oder vorurteilsbewusste Erziehung und Bildung an. Der Deutsche Bildungsserver bietet eine gute Übersicht zu den verschiedenen Angeboten und auch auf der Webseite der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) können Sie gezielt nach Anbietern für Fort- und Weiterbildungen im Bereich Integration suchen.

Weitere Informationen zum Thema Fort- und Weiterbildungen

In der Rubrik „Aus der Praxis” haben wir für sie Beispiele guter Praxis aufbereitet. Dort finden Sie auch Praxis-Blitzlichter mit Anregungen für die pädagogische Arbeit.

Unterstützung

Informationsmaterial wird von den zuständigen Ministerien in den Bundesländern, Verbänden, Institutionen und der Wissenschaft bereitgestellt. Auf der Webseite „Frühe Chancen“ finden Sie eine Übersicht über die aktuellen Praxishilfen und Handreichungen zum Thema. 

Die Bundesprogramme des Bundesfamilienministeriums unterstützen Kitas und Tagespflegepersonen bei der Integration von Kindern mit Fluchthintergrund. Hierzu zählt das Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“. Auch die sowie die gemeinsam mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung durchgeführten Bundesprogramme „Willkommen bei Freunden“ und „Qualität vor Ort“ befassen sich mit dem Thema.

Weitere Informationen zu den Bundesprogrammen 

Informationen zu den Bundesländern liefern die zuständigen Landesministerien. Eine Liste finden Sie unter den Links und Downloads.

Die Rubrik „Integration“ auf diesem Portal bietet viele Informationen und gute Beispiele, wie Integration in der Kindertagesbetreuung gelingen kann. Bei den Links und Downloads finden Sie viele Praxishilfen und Handreichungen sowie die Kontaktdaten zu den zuständigen Landesministerien.

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Junge mit Gitarre

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Kinder mit Fluchthintergrund in der Kindertagesbetreuung

Der strukturierte Alltag und die kindgerechte Umgebung in Kitas und Tagespflegestellen erlauben Kindern mit Fluchthintergrund, sich sicher zu fühlen. Außerdem bieten Kinderbetreuungsangebote beste Voraussetzungen dafür, dass die Kinder rasch die deutsche Sprache lernen und Kontakte zu anderen Kindern knüpfen. mehr

Links & Downloads

Hier finden Sie interessante Links und Downloads rund um die Themen Kindertagesbetreuung und frühkindliche Bildung. mehr