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Porträt der Kita Violett und des Familiennetzwerks in Freiburg

Kita ViolettKita Violett

„Man muss nicht alles alleine schaffen und man kann es auch oft nicht!“

Die Kita Violett und das Familiennetzwerk des Diakonievereins Freiburg Süd-West e.V. betreuen seit über 25 Jahren Kinder mit Fluchthintergrund. In ihrer Arbeit setzt Kita-Leiterin Christine Hartmann vor allem auf Vernetzung und den Dialog mit den Familien. Wichtig sei, alle Familien willkommen zu heißen, ihre Stärken zu zeigen und eine Beziehung zu den Kindern und Familien aufzubauen.

Sie betont: „Die Kita Violett ist offen für die soziale, kulturelle und religiöse Vielfalt der Kinder und Familien. Wir integrieren eine große Spannweite sozialer Unterschiede und Lebenslagen. Dies betrifft Familien, die allein schon gut zurechtkommen bis hin zu Familien mit einer Fülle schwer zu bewältigender Lebenssituationen. Wir verstehen uns als eine Gemeinschaft von Kindern, Eltern und Fachkräften, deren Ziel es ist, die Kompetenzen von Kindern, Eltern und Fachkräften zu stärken.“

Aktuell besuchen 86 Kinder die Kita Violett, 83 Prozent von ihnen haben einen Migrationshintergrund. Seit 2016 nimmt die Kita am Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ teil, welches die alltagsintegrierte sprachliche Bildung in Kitas fördert.    

„Der Dialog mit den Eltern ist die Grundlage unserer Arbeit“

Jede Familie und jedes Kind ist in der Kita Violett willkommen. Kita-Leiterin Frau Hartmann erläutert, warum der Dialog so wichtig ist: „Familien mit Fluchthintergrund sind oft geprägt von Angst, Trauer und Traumatisierung. Wenn wir ihnen mit offenem Herzen begegnen, fühlen sich die Familien bei uns wohl und wir bekommen die Möglichkeit, die Kinder und auch ihre Eltern zu fördern.“

Wichtig für die Dialogkultur in der Kita sei die Haltung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Die Beziehung zu den Eltern und die Kooperation mit ihnen ist wesentlich für unsere Arbeit. Wir gehen mit den Eltern auf Augenhöhe und verstehen uns als Partner im gemeinsamen Erziehungsprozess“, erklärt Frau Hartmann. Damit die Familien über Themen, Konflikte und die qualitative Weiterentwicklung der Kita ins Gespräch kommen, organisiert die Kita Violett regelmäßig eine Zukunftswerkstatt.

Bereits Ende der 1990er Jahre startete die Kita Violett einen dialogischen Qualitätsentwicklungsprozess, den sie bis heute fortführt. Im Dialog mit den Eltern hat die Kita Schritt für Schritt eine Einrichtungskonzeption entwickelt, die den Entwicklungsbedürfnissen der Eltern entspricht. „Das Konzept des Familiennetzwerkes war somit erfunden. 2006 bis 2007 konnten wir dann Dank einer großen Spendensumme unseren Dachboden ausbauen, in dem wir heute Angebote und Hilfen nicht nur für Kinder, sondern auch für ihre Familien anbieten“, berichtet Kita-Leiterin Frau Hartmann.

Kita ViolettUrbaner Garten
Kita ViolettElternintegrationskurs

Hilfen für Familien in der Kita bündeln – das Familiennetzwerk

„Wir haben erfahren und erlebt, dass wir die Familien mit Fluchthintergrund nicht alleine unterstützen können. Wir brauchen verschiedene Partner an unserer Seite und Kolleginnen und Kollegen mit unterschiedlichen Professionen“, erzählt Frau Hartmann. Seit 1999 werden in der Kita Violett deshalb die vielfältigen Hilfsangebote in einem Familiennetzwerk gebündelt.

Bündnispartner des Familiennetzwerkes sind eine Logopädische Praxis, der Verein für soziale und interkulturelle Arbeit Südwind Freiburg e.V., Pro Familia Freiburg, die Mobile Jugendarbeit Weingarten-Ost, die Pfarrunion Süd-West sowie der Fachdienst „HeiDi! – Heilpädagogischer Dienst für Integration in Kindertageseinrichtungen“, den das Familiennetzwerk mit aufgebaut hat.

Neben heilpädagogischen Hilfen und Frühförderung bietet das Familiennetzwerk vielfältige Hilfen in der Kita Violett an:

Der Verein Südwind Freiburg e.V. bietet in Zusammenarbeit mit der Kita Violett einen Elternintegrationskurs in der Kita an. Parallel dazu findet eine Spielgruppe für Kinder im Alter von sechs Monaten bis zweieinhalb Jahren statt. Eltern mit Fluchthintergrund können an vier Vormittagen in der Woche den Elternintegrationskurs besuchen, während ihre Kinder in der Spielgruppe betreut werden. Gefördert wird der Kurs vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Da es bis heute keine logopädische Praxis im Stadtteil gibt, kooperiert die Kita Violett seit über 20 Jahren mit einer Logopädin. „Die Logopädin holt die Kinder aus den Gruppen ab und fördert sie in unserem Sprachförderraum“, erklärt Kita-Leiterin Frau Hartmann. „Sie bietet den Eltern auch eine Sprachberatung an. Gemeinsam mit den Eltern überlegt sie, wie diese die sprachliche Bildung ihrer Kinder zu Hause fördern können.“ Zusätzlich setzt die Kita Violett das Eltern- und Sprachbildungsprogramm „Rucksack-Kita“ der Stadt Freiburg um. Hier wird die Sprachbildung in der Herkunftssprache der Kinder und in der deutschen Sprache ermöglicht. In einem „Wochenendrucksack“ können die Familien außerdem Kinderbücher und Hörspiele bei der kitaeigenen Bibliothek in ihrer Muttersprache ausleihen.

Die Erzieherinnen der Kita Violett sind als Sprachförderkräfte geschult und erfahren in der alltagsintegrierten Sprachförderung. Dies wurde unterstützt von der Pädagogischen Hochschule Freiburg, dem „Spatz- Projekt“ sowie durch die Bundesprogramme „Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration“ (2011-2015) sowie „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ (seit 2016).

Zweimal im Monat findet in der Kita Violett in Kooperation mit pro Familia Freiburg ein Eltern-Café statt. Das niedrigschwellige Angebot fördert den Austausch unter den Eltern und stärkt die elterliche Erziehungskompetenz. Neben den Familien der Kita Violett können auch interessierte Familien aus dem Stadtteil teilnehmen. Parallel wird eine Kinderbetreuung angeboten.

In Kooperation mit pro Familia Freiburg finden regelmäßig die Ringergruppe und das Vätercafé statt. Beide Angebote richten sich speziell an Väter und Söhne, stärken deren Interaktion und Bindung und schaffen positive männliche Identifikationsmuster. Adolf Seger, der ehemalige Weltmeister und Olympiamedaillengewinner im Ringen, unterstützt die Ringergruppe ehrenamtlich als Trainingspartner.

Die Kita Violett lädt einmal pro Woche zu einem offenen Gartentreff für alle Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils ein. Das Gemeinwesenprojekt „Urbaner Garten“ bringt alle Kinder, Eltern, Seniorinnen und Senioren sowie Bürgerinnen und Bürger des Stadtteils generationenübergreifend zusammen. Die Mobile Jugendarbeit Weingarten-Ost betreibt das Imkern und solare Energiemodelle auf dem Gartengelände. Gefördert wird das Projekt durch das Programm „Nachhaltigkeit Lernen – Kinder gestalten Zukunft“ der Baden-Württemberg-Stiftung in Kooperation mit der Heidehof-Stiftung.

Neben dem Familiennetzwerk ist die Kita Violett mit vielen weiteren Akteuren vernetzt. Hierzu zählen Ärztinnen und Ärzte, Schulen, psychologische Beratungsstellen, Frühförderstellen, Therapeutinnen und Therapeuten, der kommunale Soziale Dienst, die Eingliederungshilfe des Sozialamts, der Polizeiposten Weingarten sowie die Stadt Freiburg.

Die Finanzierung der Angebote sei eine große Herausforderung. „Um finanzielle Mittel und Unterstützung zu erhalten, sollte eine Kita ihre Bedarfe auch nach außen kommunizieren, mutig sein und dafür kämpfen“, erläutert Frau Hartmann. Öffentlichkeitsarbeit sei wichtig, um Unterstützung von Bürgerinnen und Bürgern oder der Kommune zu erhalten. In der Kita Violett findet dies auf verschiedenen Ebenen statt: Sie organisiert unterschiedliche Veranstaltungen für Eltern und pädagogische Fachkräfte, wirkt in kirchlichen und städtischen Gremien mit und vertritt die Interessen der Kinder und Familien in der Öffentlichkeit durch den Auftritt in lokalen Medien.

Vernetzung als Gewinn für die Kita

„Man muss nicht alles alleine schaffen und man kann es auch oft nicht!“ Frau Hartmann empfiehlt, sich Unterstützung durch andere Akteure zu holen und gemeinsame Projekte zu entwickeln. „Dies ist ein unglaublicher Gewinn“, betont Frau Hartmann. „Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit können wir die Entwicklung der Kinder viel besser verstehen und ganzheitlich fördern.“

Für die Arbeit mit Familien mit Fluchthintergrund sei Vernetzung besonders wichtig. Ihnen wird dadurch der Zugang zu Kindertagesbetreuung erleichtert. In der Kita Violett macht der Integrationskurs Familien mit Fluchthintergrund auf die Kita aufmerksam. „Der Elternintegrationskurs ist ein richtiger Türöffner, da die Kinder gleichzeitig in der Kita sein können und betreut werden. Dies ist sehr beruhigend für die Eltern“, berichtet Frau Hartmann.

Die Zusammenarbeit erfolgreich gestalten

Wichtig für eine gute Zusammenarbeit sei vor allem, dass beide Kooperationspartner davon profitieren. „Allen muss bewusst sein, dass man es alleine nicht schaffen kann. Nur gemeinsam sind wir stark – das ist unser Motto“, weiß Erzieherin Margarethe Pogoda.

Neben einem Konzept zur Vernetzung seien auch die passenden Rahmenbedingungen die Basis für eine erfolgreiche Vernetzung. Hierzu gehören ausreichende finanzielle Ressourcen, Personal und Zeit. Im Besonderen unterstützt der Förderverein der Kita Violett aktiv und mit hohem Bürgerlichen Engagement alle Projekte der Einrichtung. „Alle müssen an einem Strang ziehen, Durchhaltevermögen und Mut beweisen und auch offen für Konflikte sein“, erklärt Frau Hartmann.

Die Kita Violett feiert 2016 ihr 25-jähriges Bestehen und kann auf 17 Jahre aktive Netzwerkarbeit  zurückgreifen.

Weitere Informationen

Internetseite der Kita Violett

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Junge mit Gitarre

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Kinder mit Fluchthintergrund in der Kindertagesbetreuung

Der strukturierte Alltag und die kindgerechte Umgebung in Kitas und Tagespflegestellen erlauben Kindern mit Fluchthintergrund, sich sicher zu fühlen. Außerdem bieten Kinderbetreuungsangebote beste Voraussetzungen dafür, dass die Kinder rasch die deutsche Sprache lernen und Kontakte zu anderen Kindern knüpfen. mehr

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