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„Nur wenn alle Erzieherinnen und Erzieher qualifiziert sind, kann interkulturelle Erziehung im Alltag gelebt werden“

Interview mit Dr. Eleonore Hartl-Grötsch

Dr. Eleonore Hartl-Grötsch ist Leiterin des städtischen Betriebs KITA der Stadt München mit über 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Im Interview erklärt sie, wie die Arbeit der sogenannten „Interkulturellen Erzieherinnen und Erzieher“ (IKE) in den städtischen Kitas aussieht und warum sich die Stadt München für diese Funktionsstellen entschieden hat.

In den städtischen Kitas in München arbeiten rund 50 Interkulturelle Erzieherinnen und Erzieher. Warum haben Sie sich dafür entschieden, diese Funktionsstellen einzurichten?

In München leben viele Kinder mit Migrationshintergrund. Ihr Anteil an allen Kindern ist sogar höher als in Berlin. Wir haben uns daher schon immer damit auseinandergesetzt, wie Interkulturalität in Kitas gestaltet werden kann - denn wir möchten in unseren Einrichtungen interkulturelle Begegnungen ermöglichen und Interesse und Verständnis füreinander fördern. In Kitas können wir viel erreichen: Hier spielen und lernen Kinder aus vielfältigen Kulturkreisen unter einem Dach – und auch ihre Eltern begegnen sich.

Daher hat der Stadtrat 1999 beschlossen, 50 Fachkräfte zu Interkulturellen Erzieherinnen und Erziehern zu qualifizieren. Mit dem Bundesprogramm „Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration“ kamen 2011 weitere 100 Halbtagsstellen mit gleichen Profil hinzu. Heute gibt es insgesamt 150 Erzieherinnen und Erzieher in München, die sich dem Thema Interkulturalität widmen. In dieser Funktion arbeiten sie Teilzeit, mit 30 Stunden oder Vollzeit in der Woche in Kitas mit einem hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund.

Was sind die Aufgaben der Interkulturellen Erzieherinnen und Erzieher?

Die Interkulturellen Erzieherinnen und Erzieher unterstützen die soziale und sprachliche Integration der Kinder im Kita-Alltag, beraten Erzieherinnen und Erzieher zur interkulturellen Erziehung und arbeiten intensiv mit den Eltern zusammen.

Die Zusammenarbeit mit dem Kita-Team ist besonders wichtig. Denn nur wenn alle Erzieherinnen und Erzieher gut qualifiziert sind, kann interkulturelle Erziehung im Alltag gelebt werden – und so die Bildungschancen und der Bildungserfolg aller Kinder steigen.

Zudem vernetzen sich die Interkulturellen Erzieherinnen und Erzieher mit weiteren Akteuren aus dem Viertel – sei es der Nachbarschaftsverein, das Mehrgenerationenhaus oder die türkische Gemeinde. Ziel ist, sich auszutauschen und Angebote für Menschen mit Migrationshintergrund kennenzulernen. So werden zum einen Doppelstrukturen in der Angebotslandschaft vermieden. Zum anderen können Interkulturelle Erzieherinnen und Erzieher Eltern dadurch besser beraten und auf weitere Angebote im Stadtviertel aufmerksam machen.

Wie werden Interkulturelle Erzieherinnen und Erzieher in ihrer Arbeit unterstützt?

In München haben wir spezifische Fachberatungen etabliert. 2002 wurden vier regionale Fachberaterinnen und Fachberater für Interkulturelle Pädagogik geschaffen. Über das Bundesprogramm „Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration“ konnten weitere 12 Fachberatungen etabliert werden, welche die Interkulturellen Erzieherinnen und Erzieher und Sprachexpertinnen und Sprachexperten begleiten, aber auch Einrichtungen, ohne diese zusätzlichen Fachkräfte, für Fragen rund um das Thema zur Verfügung stehen.

Ziel ist die Kitas darin zu unterstützen, einheitliche Standards zu folgenden Bildungsschwerpunkten kontinuierlich weiterzuentwickeln und umzusetzen - bezogen auf interkulturelle Pädagogik und sprachliche Bildung: pädagogische Arbeit mit den Kindern; Einbeziehung der Eltern in die pädagogische Arbeit; Thematisierung von interkulturellen und interreligiösen Themen im Team; Reflexion, Evaluation und Weiterentwicklung der interkulturellen und interreligiösen pädagogischen Arbeit sowie der sprachlichen Bildung im pädagogischen Alltag mit dem Gesamtteam; sowie Stadtteil- und Öffentlichkeitsarbeit.

Zusätzlich können Interkulturelle Erzieherinnen und Erzieher an themenbezogenen Fortbildungen des pädagogischen Institutes in München sowie an regionalen Arbeitskreisen teilnehmen.

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Junge mit Gitarre

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