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„Die Anforderungen an Kindertageseinrichtungen steigen – und damit wird auch die Rolle der Fachberatung immer wichtiger“

Interview mit einer Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen

Gudrun SeimeGudrun Seime

Gudrun Seime ist Geschäftsführerin des Verbunds der Tageseinrichtungen für Kinder im Evangelischen Kirchenkreis Recklinghausen. Zuvor arbeitete sie als Fachberaterin des Trägers. Im Interview gibt Frau Seime Einblicke in die Aufgaben der Fachberatung.

Wie unterstützen Fachberaterinnen und Fachberater die Arbeit der Kitas?

Fachberatungen unterstützen Kitas dabei, den Förderungsauftrag, der Erziehung, Bildung und Betreuung umfasst, sowie fachliche und gesetzliche Anforderungen in der Praxis umzusetzen. Fachberaterinnen und Fachberater begleiten Entwicklungsprozesse in Kitas. Dazu gehört zum Beispiel, zeitgemäße wissenschaftliche Erkenntnisse und kind- und familienorientierte Konzepte mit Handlungsvorschlägen in die Praxis zu transportieren. So erweitern Erzieherinnen und Erzieher kontinuierlich das fachliche Wissen aus ihrer Aus- und Fortbildung und reflektieren ihr pädagogisches Handeln nach den neuesten Erkenntnissen der Frühpädagogik. Darüber hinaus informiert die Fachberatung auch über Gesetzesänderungen und mögliche Konsequenzen für den Kita-Alltag.

Unser Fachberater ist auch für die Koordinierung und Planung von trägerinternen Fortbildungen verantwortlich und lädt je nach Thema Expertinnen und Experten als externe Fortbildnerinnen und Fortbildner ein. Außerdem legt er in Abstimmung mit mir als Geschäftsführerin die inhaltlichen Schwerpunkte der Fortbildungen fest.

Die Fachberatung übernimmt auch fachpolitische Aufgaben: Sie spiegelt unserem Fachverband die spezifischen Handlungsbedarfe der Kitas zurück und setzt sich dafür ein, dass diese beispielsweise im Fortbildungsprogramm aufgegriffen werden. Über den Spitzenverband des Diakonischen Werks kann die Fachberatung außerdem Praxiserfahrungen beispielsweise Veränderungen in den Lebensbedingungen von Kindern und den Familien der Kinder an die Politik auf Kommunaler-, Landes- und Bundesebene weitergegeben.

Wie läuft die Beratung der Kitas ab?

Unser Fachberater ist für 32 Kitas in unserem Kirchenkreis verantwortlich. Die Beratung der Einrichtungen gestaltet sich vielfältig. Feste Termine sind die Leitungstagungen, die mehrmals im Jahr stattfinden, und ein jährliches Audit in jeder Einrichtung.

Auf den Leitungstagungen kommen die Leitungen aller 32 Kitas mit unserem Fachberater zusammen. Dann werden Themen diskutiert, die für alle Kita-Leitungen relevant sind, zum Beispiel Änderungen in der Gesetzgebung oder im Landesbildungsplan. Diese Themen und Anregungen zur Umsetzung geben die Leitungen im Anschluss an ihr Team weiter. Damit sie das Wissen gut vermitteln können, bekommen sie von unserem Fachberater auch methodische Impulse, beispielsweise zur Moderation von Teamsitzungen.

Wir haben in unserem Kirchenkreis ein gemeinsames Qualitätsmanagement, das Qualitätsstandards für die Kinderbetreuung festschreibt, beispielsweise zum pädagogischen Ansatz oder zur Raumgestaltung. In jährlichen Audits reflektiert unser Fachberater gemeinsam mit der Kita-Leitung und den Erzieherinnen und Erziehern, welche Qualitätsstandards erfüllt sind und wo noch Entwicklungspotenzial besteht. Mit der Kita-Leitung erarbeitet unser Fachberater Ideen, wie diese Entwicklungspotenziale angegangen werden können. Für die Umsetzung ist dann die Kitaleitung verantwortlich.

Unser Fachberater berät die Kitas auch ganz individuell und zu spezifischen Themen wie der Beobachtung und Dokumentation als grundlegendes Instrument der Arbeit der Einrichtung. In dem Fall stellt er den Erzieherinnen und Erziehern Materialien vor, die zur Dokumentation genutzt werden können. Die Kita-Leitung achtet später darauf, dass diese Materialien tatsächlich genutzt werden. Man sieht: Mit dem Einsatz der Kita-Lleitung steht und fällt der Erfolg der Beratung.

Haben mehrere Kita Beratungsbedarf zu einem spezifischen Thema, richtet unser Fachberater Arbeitskreise ein, die von Erzieherinnen und Erziehern dieser Kitas besucht werden können.

Und wie können wir uns die Zusammenarbeit zwischen Fachberatung und Träger vorstellen?

Die Fachberatung ist Mittler zwischen Trägern und Kitas. Auf der einen Seite informiert sie die Geschäftsführung über gesetzliche Regelungen, die in den Einrichtungen des Trägers erfüllt werden müssen. Sie zeigt Wege auf, wie diese Vorgaben umgesetzt werden können. Die Fachberatung macht Träger auch auf fachliches Entwicklungspotenzial in den Kitas aufmerksam, das ist zum Beispiel sehr wichtig für die Gestaltung interner Fortbildungen.

Auf der anderen Seite vertritt unser Fachberater das Leitbild unseres Kirchenkreises in den Kitas: Er berät die Einrichtungen im Sinne des Leitbildes und gibt Anregungen, wie dieses im Kita-Alltag gelebt werden kann.

Der Fachberater Ihres Trägers ist gleichzeitig Multiplikator der Qualifizierungsoffensive "Sprachliche Bildung und Förderung für Kinder unter Drei". Warum haben Sie sich für diese Spezialisierung entschieden?

In unserem Kirchenkreis gibt es drei Schwerpunkt-Kitas, von denen sich zwei zu Konsultationskitas weiterentwickelt haben. Uns war es wichtig, alltagsintegrierte sprachliche Bildung nicht nur in den Schwerpunkt-Kitas, sondern in allen Einrichtungen unseres Kirchenkreises zu verankern. Daher haben wir uns entschieden, im Zuge der Qualifizierungsoffensive unseren Fachberater zum Multiplikator auszubilden.

Alltagsintegrierte Sprachbildung ist nun ein Themenschwerpunkt der Fachberatung. Momentan lädt der Fachberater gemeinsam mit einer weiteren Multiplikatorin Einrichtungen unseres Trägers, die nicht am Bundesprogramm „Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration“ teilnehmen, zu Auftaktveranstaltungen ein. Auf diesen erhalten interessierte Fach- und Leitungskräfte Einblicke in alltagsintegrierte sprachliche Bildung. Nach und nach sollen so alle Kinder in den Einrichtungen unseres Trägers von alltagsintegrierter sprachlicher Bildung profitieren können.

Da unser Fachberater auch Multiplikator ist, können wir die fachliche Unterstützung aller Kitas bei der Umsetzung alltagsintegrierter Sprachbildung nachhaltig sichern. Zudem war die Qualifizierung für ihn eine tolle Gelegenheit, bei der er sich spezialisieren und sein Wissen zur alltagsintegrierten Sprachbildung weiter vertiefen konnte.

Wie sehen Sie die Zukunft der Fachberatung?

Gute Qualität kann in Kitas nur gewährleistet werden, wenn Kita-Lleitungen und ihre Teams professionell unterstützt und in ihren Prozessen kontinuierlich begleitet werden. Die Anforderungen an Kindertageseinrichtungen steigen – und damit wird auch die Rolle der Fachberatung immer wichtiger.

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