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Über den Mehrwert von Teamberatungen

Experteninterview mit Prof. Dr. Dörte Weltzien

Dörte WeltzienDörte Weltzien

Prof. Dr. Dörte Weltzien ist Professorin für Pädagogik der Kindheit an der Evangelischen Hochschule Freiburg und Leiterin des Masterstudiengangs „Bildung und Erziehung im Kindesalter“.

Welchen Stellenwert haben Teamberatungen für die Teamentwicklung?

Ein regelmäßiger und systematischer kollegialer Austausch ist ein wesentliches Merkmal professioneller Teams. Teamberatungen, die als Prozess der fortlaufenden Qualitätsentwicklung verstanden werden, erhöhen kontinuierlich die Wissensbestände im Team. Dazu werden neues entwicklungswissenschaftliches Fachwissen im Bereich der U3-Betreuung, spezielles Wissen zum Spracherwerb oder zur Sprachbildung oder Inklusionsthemen eingebracht. Es geht aber nicht nur um fachliche Inputs, sondern um das professionelle Selbstverständnis im Team, das sich über Teamberatungen weiterentwickelt. Wir sprechen von einer forschenden Haltung, die eine gute Fachpraxis braucht, um auf der Grundlage fachlichen Wissens und Könnens auch dauerhaft einen „Blick von außen“ auf die tagtägliche Praxis zu bewahren. Nur so sind neue Erkenntnisse über die Gestaltungsmöglich-keiten des pädagogischen Handelns gewährleistet. Funktionsstellen, beispielsweise für Inklusion, Vernetzung oder Sprachbildung, können die Teams auch in den pädagogischen Kernaufgaben – hierzu zählen die Beobachtung und Dokumentation, die Interaktions- und Beziehungsgestaltung oder die Zusammenarbeit mit Familien – unterstützen, beraten und in ihren Kompetenzen stärken.

In den letzten Jahren haben sich sogenannte „Inhouse-Fortbildungen“ immer stärker etabliert, weil sie auf die unterschiedlichen Ressourcen und Potentiale im Team zurückgreifen und das Team in seiner Vielfalt am besten begleiten können. Denn neben dem professionellen Selbstverständnis jeder einzelnen Fachkraft ist auch ein gemeinsames Verständnis im Team, das über solche prozessbegleitenden Fortbildungen befördert wird, für eine kontinuierliche Weiterentwicklung erforderlich. Indem sich alle Teammitglieder – auch die Leitung! – auf den Weg machen, neue Kenntnisse und Methoden in ihren Praxisalltag zu integrieren, werden die Potentiale, die ein heterogenes Team beinhaltet, erst geweckt. Bei externen Fortbildungen, an denen jeweils nur eine oder zwei Fachkräfte aus einem Team teilnehmen, haben wir dagegen große Sickereffekte – es kommt nur relativ wenig von dem erworbenen Know-How im Team an. Schuld daran sind häufig fehlende Zeitressourcen, um die Inhalte von Fortbildungen in der notwendigen Tiefe und Breite zu transportieren. Teilweise sind es aber auch teambezogene Hemmfaktoren, die den Transfer ins Team erschweren. Unter dem Strich bewähren sich Fortbildungen, die sich an das ganze Team richten, über einen längeren Zeitraum laufen und an den Ressourcen in den Teams ansetzen, auch unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten.

Was können Themen und Ziele von Teamberatungen sein?

In den Teams sind – befördert über die Bildungsprogramme der Länder, die Verbesserung der Aus- und Weiterbildungsangebote für pädagogische Fachkräfte, aber auch die ungeheuer große Weiterbildungsbereitschaft der Fachkräfte – die Kompetenzen deutlich gewachsen. Wir haben in mehreren groß angelegten Studien gesehen, dass es in den Teams eine Vielzahl an Spezialistinnen und Spezialisten gibt, die sich über mehrjährige, zertifizierte Weiterbildungen und Zusatzqualifikationen Kompetenzen in unterschiedlichen Bildungs- und Entwicklungsbereichen der frühen Kindheit ebenso wie in institutionsbezogenen und -übergreifenden Themenfeldern angeeignet haben. In Teamberatungen stehen pädagogische Kernaufgaben im Fokus, beispielsweise die Gestaltung von Beziehungen mit Kindern und ihren Familien. Es gibt aber in fast allen Kitas mittlerweile Kinder mit spezifischem Förderbedarf in sozial-emotionaler und/oder sprachlich-kognitiver Hinsicht. Wir haben zunehmend das Problem, dass Fachkräfte mit herausfordernden Verhaltensweisen an die Grenze ihrer Handlungsfähigkeit und -bereitschaft kommen oder keinen Zugang zu den Familien finden. Hier sind Spezialwissen und Methoden sehr hilfreich, die einen systemischen Blick auf Problemlagen und Verhaltensweisen richten und konkrete Ansätze bieten, um mit solchen Herausforderun-gen besser umgehen zu können.

Jeder Zuwachs an Wissen und Können erzeugt mehr Sicherheit, die sich positiv auf die Arbeitszufriedenheit auswirkt. Allerdings sind hierfür ausreichende Zeitressourcen für Teamberatungen erforderlich. Wir gehen davon aus, dass für eine qualitätsvolle pädagogische Arbeit und Weiterentwicklung der Teams ein Viertel bis ein Drittel der Arbeitszeit (je nach Stellenumfang und Aufgabenbereich) für Vor- und Nachbereitung, Beobachtung, Elterngespräche, Fortbildungen, Supervision und eben auch den kollegialen Austausch im Team erforderlich wären. Von dieser Zielgröße sind viele Einrichtungen leider noch weit entfernt.

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