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Starker Kiez: Wie Familien von Vernetzung im Sozialraum profitieren

Kita BarbarossastraßeKita Barbarossastraße

Praxisporträt des Familien- und Nachbarschaftszentrums „Kiezoase“

Die Barbarossastraße im Norden des Berliner Bezirks Schöneberg ist für die Familien im Kiez erste Anlaufstelle in fast allen Lebenslagen. Denn dort befindet sich nicht nur das Familien- und Nachbarschaftszentrum „Kiezoase“, sondern auch die „Kita Barbarossastraße“ sowie eine Erziehungs- und Familienberatung. Alle Einrichtungen gehören zum Berliner Träger Pestalozzi-Fröbel-Haus, die Vernetzung verschiedener Einrichtungen im Sozialraum gehört zum Konzept. Denn alle Familienzentren und Kitas des Trägers arbeiten nach dem Early-Excellence-Ansatz, bei dem die Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren vor Ort wichtiger Bestandteil ist. Marianne Konermann, Leiterin der „Kiezoase“, schwärmt von der Infrastruktur in der Barbarossastraße: „Es sind wirklich optimale Bedingungen: Eine Familienberatung gleich nebenan zu haben, ist schon etwas Besonderes. Und auch die Zusammenarbeit mit der Kita ist sehr eng. So sind die Wege für die Eltern kurz.“ Auch Simone Paganini, Leiterin der „Kita Barbarossastraße“, profitiert vom Nachbarn: „Wir kennen alle Kolleginnen und Kollegen in der „Kiezoase“ und sie kennen uns. So fällt es leichter, bei Fragen oder Problemen der Eltern die entsprechende Person anzusprechen.“ Viele Eltern, deren Kinder die Kita besuchen, gehen auch in die „Kiezoase“ und nehmen die vielfältigen Angebote dort war. Die Kita-Leiterin erklärt: „Wir haben hier in der Kita leider nicht den Platz, um einen extra Raum für die Eltern einzurichten. Deshalb treffen sich viele Familien einfach nebenan in der „Kiezoase“. 

Early-Excellence-Ansatz

Beim Early-Excellence-Ansatz steht die Qualität der pädagogischen Arbeit im Mittelpunkt. Die pädagogischen Fachkräfte nehmen jedes Kind individuell mit seinen Fähigkeiten und Stärken wahr und fördern es dementsprechend. Die pädagogischen Einrichtungen beziehen die Eltern als wichtigsten Partner in die pädagogische Arbeit ein und vernetzen sich außerdem mit Kooperationspartnern im Stadtteil. So stärken sie die Familien auch präventiv.

Weitere Informationen zum Pestalozzi-Fröbel-Haus-Modell des Early-Excellence-Ansatzes

Offene Angebote und Beratung als erster Kontakt

Im Familienzentrum gibt es viele offene Angebote wie die Familiennachmittage im Café, den „Offenen Mütter-Baby-Treff“ oder „Komm vorbei“ für Kinder ab sechs Monaten, wo sich die Familien austauschen können, gemeinsam spielen und singen. Kiezoasenleiterin Marianne Konermann erzählt: „Die Eltern haben bei uns im Familienzentrum auch immer die Möglichkeit, mit einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter zu sprechen. Sei es bei Unsicherheiten bei der Erziehung oder wenn ihnen irgendetwas auffällt bei ihren Kindern. Sind die Eltern in speziellen Situationen, zum Beispiel einer Trennung, können wir sie an die Familienberatung verweisen. Oft kommen auch Mütter oder Väter zu uns, die auf der Suche nach einem Kita-Platz sind. Auch hier können wir dann direkt weitervermitteln oder ihnen umfassende Informationen an die Hand geben.“

Neben den offenen Angeboten gibt es auch zahlreiche Kurse und Gruppen, für die sich die Eltern mit ihren Kindern anmelden können. Das Programm reicht von Baby-Massage bis zu Turn- und Musikkursen für ältere Kinder. Die enge Verzahnung mit der „Kita Barbarossastraße“ kommt vor allem dem Kurs „Zusammen aufwachsen“ zugute: Hier trifft sich eine feste Gruppe von Eltern und Kindern, um gemeinsame Angebote zur Entwicklungsförderung wahrzunehmen und eine langsame Hinführung an den Kita-Alltag zu gestalten. Kita-Leiterin Simone Paganini erklärt: „Wir stehen hier in der Kita im engen Kontakt mit den Eltern und informieren sie über unsere Einrichtung. Eltern und Kinder können bei uns in der Kita zum Schnuppern vorbeikommen und sich alles ansehen. So können wir sanfte Übergänge gestalten und die Familien, die mehr Unterstützung brauchen, gut begleiten. Die Gründe dafür können vielfältig sein: Unsicherheiten im Umgang mit ihren Kindern oder Ängste, ihr Kind dann auch loslassen zu können. Wir nehmen uns hier viel Zeit, um uns richtig gut kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. Für manche Familien ist das wirklich wichtig“, erklärt Kita-Leiterin Simone Paganini. So erhalten die Eltern alle Informationen, die sie brauchen, um die Frage zu klären, ob das Kind die Einrichtung besuchen soll oder nicht. Wichtig sei dabei, dass die Eltern die Entscheidung bewusst treffen – damit der Übergang in die Kita kein Selbstläufer ist, muss ein Betreuungsplatz beantragt werden.

Im Familienzentrum laufen die Fäden zusammen

Die „Kiezoase“ ist im Stadtteil Schöneberg fest etabliert, die meisten Familien erfahren über Mund-zu-Mund-Propaganda von der Einrichtung. Trotzdem sind Informationen über das Programm des Familienzentrums sowie ein Gutschein fester Bestandteil des Infopaktes, das Eltern neugeborener Kinder im Rahmen der Frühen Hilfen vom Jugendamt erhalten. „Mit dem Gutschein können die Familien ein Angebot entweder komplett kostenlos oder mit geringer Eigenbeteiligung nutzen. Das ist auf jeden Fall ein Anreiz, mal zu schauen, was es bei uns gibt“, bestätigt Kiezoasenleiterin Marianne Konermann den Erfolg dieses Vorgehens.

Auch andere Kitas sowie Tagespflegestellen arbeiten mit der Einrichtung zusammen und machen die Eltern auf die Angebote des Familienzentrums aufmerksam. Marianne Konermann erzählt, dass gerade die Kooperation mit den Tagesmüttern und Tagesvätern im Kiez noch weiter ausgebaut werden soll: „Der Spielplatz direkt neben dem Familienzentrum ist ein beliebter Treffpunkt für Gruppen der Kindertagespflege. Wir wollen die Tagespflegepersonen stärker in unsere Arbeit einbinden, damit sie den Eltern umfassende Informationen über unsere Angebote geben können. Aber auch, um den Tagesmüttern und Tagesvätern Unterstützung in ihrer pädagogischen Arbeit zu bieten.“

Das Kiezoasennetzwerk reicht weit über die Barbarossastraße hinaus. Gemeinsam mit zwei weiteren Familienzentren in Schöneberg bildet es ein Mehrgenerationenhaus. Ziel ist es, generationenübergreifende Angebote zu gestalten, die die Lebensqualität aller Bewohnerinnen und Bewohner im Stadtteil verbessern und insbesondere auch die Integration von Familien mit Migrationshintergrund fördern.

Der Austausch der Einrichtungen des Trägers Pestalozzi-Fröbel-Haus findet aber auch bezirksübergreifend statt. Regelmäßig kommen die Leitungen aller Familien- und Nachbarschaftszentren zusammen. Die Leiterin der „Kiezoase“ bekräftigt die Bedeutung der Treffen: „Es ist wichtig, Erfahrungen auszutauschen. Denn die Einrichtungen unterscheiden sich je nach Standort. Das Familienzentrum am Mehringdamm liegt beispielsweise in der Nähe einer Flüchtlingsunterkunft. Hier nimmt die Zusammenarbeit mit den geflüchteten Familien eine wichtige Rolle ein und viele Angebote sollen Eltern und Kindern den Weg ins Familienzentrum erleichtern.“ So gibt es im Familienzentrum Mehringdamm beispielsweise eine arabischsprachige Stadtteilmutter, die mit den Eltern in der Flüchtlingsunterkunft über das Bildungs-, Gesundheits- und Sozialsystem in Deutschland spricht und einen Gesprächskreis für die Mütter leitet. Außerdem können die Kinder an Sport- und Musikgruppen teilnehmen. Unterstützung bei der Durchführung der Angebote erhält das Familienzentrum Mehringdamm wiederum dank der guten Vernetzung.  Marianne Konermann erzählt: „Viele Eltern, die das Familienzentrum „Kiezoase“ besuchen, möchten sich gerne ehrenamtlich engagieren. Sie unterstützen die Familien, die aus Syrien oder dem Irak kommen, indem sie erste Deutschkenntnisse vermitteln oder bei Behördengängen begleiten. Es ist toll, dass wir durch unsere Vernetzung so eine große Bandbreite an Familien ansprechen und ihnen wichtige Unterstützung im Alltag bieten können."

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Junge mit Gitarre

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