Logo des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Zusatzlogo: Gezeichnetes Kind springt auf farbigen rechteckigen Blöcken.

„Die Fachberatung unterstützt und gibt Sicherheit“

Interview mit Fachberaterin Daniela Bischler

Daniela BischlerDaniela Bischler

Als Fachberaterin für sprachliche Bildung und Sprachförderung ist Daniela Bischler trägerübergreifend für die Stadt Freiburg im Breisgau tätig. In dieser Funktion berät sie Kita-Leitungen und Sprachförderfachkräfte, stellt Informationen zum Themenfeld „Sprachliche Bildung“ zur Verfügung und koordiniert Fort- und Weiterbildungen. Auch die Vernetzung verschiedener Akteure vor Ort gehört zu ihren Aufgaben. 

In welchen Bereichen erleben Sie aktuell den stärksten Beratungsbedarf bei Kita-Leitungen und pädagogischen Fachkräften?

Bischler: Einen großen Beratungsbedarf der Kita-Leitungen gibt es zum einen bei der Umsetzung des Bundesprogramms „Sprach-Kitas“, bei dem ich eng mit der Fachberaterin des hiesigen Verbundes zusammenarbeite und von „SPATZ“, dem Programm für Sprachförderung in Kitas in Baden-Württemberg. Da geht es um die Beantragung, die Verwendung der Mittel und dann auch um die Umsetzung im Alltag.

Beratungsbedarf gibt es zum anderen auch beim Thema „Qualifizierung und Fortbildung der pädagogischen Fachkräfte“. Da stellen wir gemeinsam fest, welchen Bedarf es gibt, wer Fortbildungen braucht und wo eine passende Referentin oder ein Referent gefunden werden kann. Neben der Qualifizierung ist auch das Teamcoaching ein wichtiges Thema. Aber auch Fragen, bei denen es nicht im engsten Sinne um Fachliches geht. Zum Beispiel ganz konkret: Wie kann ich einen Dolmetscher finanzieren, der bei Familiengesprächen übersetzt?

Bei den Fortbildungen wird ganz stark das Thema „Alltagsintegrierte sprachliche Bildung“ nachgefragt. Hier geht es zunächst einmal darum, wie die pädagogischen Fachkräfte feststellen können, ob es einen Sprachförderbedarf bei den Kindern gibt und wie sich dieser gestaltet. Es geht auch darum, wie sie konkrete Maßnahmen umsetzen können. Hier spielen die Fachkraft-Kind-Interaktion und das Dialogverhalten eine große Rolle. Seit zwei Jahren bekomme ich auch häufiger Anfragen zum Thema „Familien mit Fluchthintergrund“. Was die sprachliche Bildung angeht, sehe ich hier allerdings kaum Unterschiede. Die Stadt Freiburg ist eine Kommune mit einem relativ hohen Migrationsanteil und so beschäftigen sich viele Kitas schon lange damit, wie sie mit Eltern und Kindern, die nicht so gut Deutsch sprechen, umgehen und sie in die sprachliche Bildung einbeziehen können.

Vor welchen konkreten Herausforderungen stehen die Kitas und wie kann die Fachberatung unterstützen?

Bischler: Obwohl der Umgang mit Familien mit Migrationshintergrund für viele Einrichtungen nicht neu ist, betreuen einige Kitas nun zum ersten Mal Kinder mit Fluchthintergrund. Vor allem für kleinere Einrichtungen stellt das eine Herausforderung dar. Ich unterstütze dann mit einem Besuch vor Ort und wir überlegen gemeinsam, welche Fachkräfte schon Kenntnisse mitbringen und wo noch Bedarf an Fortbildung besteht. Oft sind bei den pädagogischen Fachkräften schon sehr viele Kompetenzen da, aber es fehlt ihnen die Sicherheit. Da ist es gut, wenn ich als Fachberaterin zur Seite stehen und sie stärken kann. Das Kita-Team unterstütze ich außerdem dabei, klare Verantwortlichkeiten zu schaffen. Zwar betrifft die sprachliche Bildung immer alle pädagogischen Fachkräfte, aber es sollte eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter geben, der oder die dafür sorgt, dass die sprachliche Bildung auch immer ein Thema bleibt und es regelmäßige Treffen dazu gibt. Eine weitere wichtige Frage ist auch hier: Wo können die Einrichtungen Fördermittel beantragen? Denn die Kitas haben zusätzliche Ausgaben, wenn sie zum Beispiel ihre Bibliothek erweitern wollen oder Fachkräfte sich vertiefend qualifizieren wollen. Auch dabei unterstütze ich die Kitas als Fachberaterin.

Welche Rahmenbedingungen müssen gegeben sein, damit frühkindliche Bildung, Erziehung und Betreuung gelingen kann?

Bischler: Wenn man die Bildungspläne der Länder umsetzen will, braucht es eine verbesserte Fachkraft-Kind-Relation. Die pädagogischen Fachkräfte benötigen Vor- und Nachbereitungszeiten, gerade wenn wir an die Zusammenarbeit mit den Familien mit Fluchthintergrund denken. Da ist der Aufwand groß, wenn es beispielsweise darum geht, noch einen Dolmetscher oder eine Dolmetscherin zu organisieren oder noch etwas mit der Einrichtung, in der Familien untergebracht sind, abzustimmen. All diese Dinge müssen die pädagogischen Fachkräfte neben ihrer unmittelbaren Arbeit erledigen. Auch die Freistellung von Kita-Leitungen ist hier sehr wichtig, ebenso eine verbindliche Fort- und Weiterbildung. Da braucht es einfach Zeit, finanzielle Mittel und auch Angebote. Natürlich spielt hier die Fachberatung eine große Rolle. In der Regel ist es leider so, dass die Fachberatungen zu viele Kitas betreuen. Hier müssen wir einen Schlüssel einführen, der tauglich ist.

Welche Unterstützung brauchen Sie als Fachberaterin?

Bischler: Da stellen sich mir die Fragen: Wer qualifiziert die Fachberatung? Wer begleitet uns? Wo haben wir Reflexionsräume und wo die Möglichkeit Input zu bekommen? Denn natürlich brauchen auch Fachberaterinnen und Fachberater qualifizierte Weiterbildungen. Obwohl ich hier einen Zuwachs sehe, gibt es bislang wenig spezifische Angebote. Einen starken Bedarf sehe ich bei der Entwicklung regionaler Netzwerke. Hier in Südbaden haben wir uns selbst ein Format mit dem Schwerpunkt „Sprachliche Bildung“ geschaffen, das sehr gut den Austausch untereinander stärkt. Eine gute Lösung bietet auch das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung: Dort wird interdisziplinär geforscht und die Vernetzung unterschiedlicher Praxisakteure gestärkt. Das wäre für mich eine Form der Unterstützung, mit der ich sehr glücklich wäre. Eine große Rolle spielt für mich auch die Unterstützung durch die Kommune Freiburg, die mir die Freiheit lässt, alle verfügbaren Vernetzungsangebote wahrzunehmen.

Da ich als Fachberaterin trägerübergreifend arbeite, habe ich die Möglichkeit in Abstimmung mit den freien Trägern als gemeinsame Stimme unterschiedlicher Einrichtungen aufzutreten. So kann ich auf der politischen Ebene zum Beispiel für die Weiterentwicklung städtischer Richtlinien auf einer breiten Basis eintreten. Ich würde mir wünschen, mehr Fachberaterinnen und Fachberater könnten ähnlich vernetzt wirken.

Seite drucken
Junge mit Gitarre

Newsletter

Der Newsletter hält Sie regelmäßig über aktuelle Informationen rund um Kindertagesbetreuung und frühkindliche Bildung auf dem Laufenden. mehr

Kinder mit Fluchthintergrund in der Kindertagesbetreuung

Der strukturierte Alltag und die kindgerechte Umgebung in Kitas und Tagespflegestellen erlauben Kindern mit Fluchthintergrund, sich sicher zu fühlen. Außerdem bieten Kinderbetreuungsangebote beste Voraussetzungen dafür, dass die Kinder rasch die deutsche Sprache lernen und Kontakte zu anderen Kindern knüpfen. mehr

Links & Downloads

Hier finden Sie interessante Links und Downloads rund um die Themen Kindertagesbetreuung und frühkindliche Bildung. mehr