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„Kinder lernen nachhaltig und verantwortungsvoll zu denken und zu handeln“

Interview zur Bildung für nachhaltige Entwicklung in der frühkindlichen Bildung mit Frank Jansen

Frank JansenFrank Jansen

Frank Jansen ist Geschäftsführer des Verbandes Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK), einem anerkannten Fachverband des Deutschen Caritasverbandes. Außerdem ist er Vorsitzender des Fachforums „Frühkindliche Bildung“ der Nationalen Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung. Im Interview berichtet er über die Bedeutung von Bildung für nachhaltige Entwicklung in der frühkindlichen Bildung und die Arbeit des Fachforums „Frühkindliche Bildung“.

Herr Jansen, was bedeutet „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE)?

Jansen: Bildung für nachhaltige Entwicklung bedeutet, Menschen zu befähigen, zukunftsfähig zu denken und zu handeln. Dabei geht es beispielsweise darum, wie meine Entscheidungen und meine Lebensweise nachfolgende Generationen beeinflussen, oder welche Auswirkungen mein Konsumverhalten auf die Welt hat. Aber auch übergeordnete Fragestellungen nach globalen Mechanismen, die zu Konflikten, Terror und Flucht führen, sollen erörtert werden. Kurz gesagt: Bildung für nachhaltige Entwicklung ermöglicht es jedem Einzelnen zu verstehen, wie sich das eigene Handeln auf die Welt auswirkt, und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.

Welche Rolle spielt die frühkindliche Bildung in diesem Kontext?

Jansen: In der frühkindlichen Bildung bedeutet BNE, Kindern die Möglichkeit zu geben, ihre Umwelt zu erkunden, Zusammenhänge zu entdecken oder sich Gedanken über Gerechtigkeit, Ressourcen und über den Umgang miteinander zu machen. Im Vordergrund steht dabei die Persönlichkeitsbildung der Kinder, also dass sie ihre gegenwärtigen und künftigen Lebenssituationen aufgeklärt, selbstbestimmt, verantwortlich und solidarisch mit anderen gestalten. Den Kitas kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, da sie die Bildungsorte sind, die Kindern Zugänge zur Welt ermöglichen. Sie können auch große Fragen zum Thema machen, die unsere Zukunft betreffen. Kinder kommen durch die Medien ständig mit globalen Themen in Kontakt: Sei es die Gefährdung von einzelnen Tierarten, ein Erdbeben oder ein Reaktorunfall. Sie brauchen deshalb Gelegenheit, ihre Fragen zu stellen um einen guten Umgang mit diesen Themen zu finden. So erweitern Kinder ihre Handlungsfähigkeit und lernen, eigene Standpunkte zu entwickeln.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat die Nationale Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung gegründet. Sie sind Vorsitzender des  Fachforums „Frühkindliche Bildung“ dieser Plattform. Welche Themen diskutieren Sie dort und welche Ziele verfolgen Sie?

Jansen: Wir als Fachforum arbeiten eng mit sogenannten Partnernetzwerken zusammen, die Akteure untereinander vernetzen und Impulsgeber für die Umsetzung vor Ort sind. Die Diskussionen innerhalb meines Forums sind sehr spannend, weil viele Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenkommen und miteinander diskutieren.

Hauptsächlich beraten wir darüber, wie BNE im frühkindlichen Bereich selbstverständlich werden kann. Dazu gehört, BNE verbindlich in den Bildungsplänen zu verankern, BNE in den Aus- und Weiterbildungen von pädagogischen Fachkräften zu etablieren und informelle und formelle Vernetzungsstrukturen zwischen den verschiedenen Bildungsorten aufzubauen. Gerade sind wir dabei, für diese Ziele konkrete Maßnahmen zu formulieren.

Welche Bedeutung hat Bildung für nachhaltige Entwicklung für die Praxis der Kindertagesbetreuung und für den Alltag der Kinder?

Jansen: Zunächst gestaltet der jeweilige Kita-Träger einen Rahmen für die betrieblichen und pädagogischen Abläufe seiner Einrichtungen. Hier können Elemente der nachhaltigen Entwicklung bedacht werden: zum Beispiel bei der Materialauswahl und -beschaffung oder bei der Auswahl des Stromanbieters. Auch bei der Ernährung kann Wert auf Nachhaltigkeit gelegt werden. So können Kita-Küchen als Bio-Betriebe zertifiziert werden. Andere Einrichtungen haben eine eigene Kita-Verfassung, in der ein Kinderparlament vorgesehen ist. Zudem können für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Fortbildungen rund um das Thema angeboten werden. Ein weiterer Aspekt ist die Partizipation von Eltern und Kindern auszuweiten.

Das pädagogische Personal sollte Gelegenheiten schaffen, hinter die Dinge zu schauen, zu forschen, zu experimentieren und später auch Lösungen zu entwickeln. Kinder benötigen Raum, über sich und die Welt nachzudenken und eigene Standpunkte zu entwickeln. Sie können Fragen wie „Was ist gerecht?“ diskutieren. Eine weitere Möglichkeit um BNE erlebbar zu machen, stellen Exkursionen dar. Hier kann in Hinblick auf Nachhaltigkeitsfragen das Umfeld erkundet werden.

Wie können frühpädagogische Fachkräfte das Thema in den Kita-Alltag integrieren?

Jansen: In der täglichen Morgenrunde können frühpädagogische Fachkräfte mit den Kindern zum Beispiel das Wetter anschauen und über verschiedene Wetterphänomene sprechen. Anhand der Beobachtungen wie „Im Winter ist der Boden gefroren“ können kleine Experimente stattfinden. Kinder können zum Beispiel Bodenproben unter dem Mikroskop untersuchen und entdecken, was sich dort alles bewegt. Dabei erlernen sie eine naturwissenschaftliche Arbeitsweise und erfahren gleichzeitig, dass überall Leben ist, auch wenn es nicht sichtbar ist. Gleichzeitig können Kinder dabei über Werte und Verantwortung nachdenken und sich mit dem Mensch-Natur-Verhältnis auseinandersetzen.

Es gibt viele weitere Möglichkeiten, nachhaltige Entwicklung im Kita-Alltag zu integrieren. Zum Beispiel beim Thema Müllentsorgung: Können wir Dinge selber reparieren und sie nicht direkt wegschmeißen? Auch ein naturnahes Außengelände oder das Anlegen und Pflegen von Hochbeeten oder Nutzgärten können das Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung schärfen. Beim Thema gesunde Ernährung können Kinder das gemeinsame Mittagessen mit saisonalem Gemüse und Obst zubereiten und gemeinsam darüber nachdenken, woher die Lebensmittel kommen und welchen Transportweg sie zurückgelegt haben.

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