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Interview mit Jens Krabel

Koordinationsstelle „Chance Quereinstieg – Männer in Kitas“

Porträt von Jens KrabelJens Krabel

Das Interview mit Herrn Jens Krabel wurde während der Laufzeit des inzwischen ausgelaufenen Bundesprogramms „Lernort Praxis“ geführt und beleuchtet die Arbeit und die Erfahrungen der Koordinationsstelle  „Chance Quereinstieg – Männer in Kitas“ im Programm. Es stellt kein abschließendes Fazit über das Programm „Lernort Praxis“ dar.

Jens Krabel ist als Koordinator in der Koordinationsstelle  „Chance Quereinstieg – Männer in Kitas“ an der katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin angestellt. Im Bundesprogramm Lernort Praxis  begleitet er gemeinsam mit seinem Kollegen Michael Cremers den Schwerpunkt 3 „Erschließung und Bindung bisher unterrepräsentierter Personengruppen als Fachkräfte“. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Entwicklung von Strategien zur Gewinnung und Bindung dieser Personengruppen sowie die Frage, inwiefern bei Auszubildenden beispielsweise eine langjährige Erfahrung in einem anderen Beruf, das Geschlecht oder eine bestimmte Migrationsgeschichte für die Praxisanleitung von  Bedeutung ist. 

Sie begleiten Kitas bei der Umsetzung des Schwerpunkts „Erschließung und Bindung bisher unterrepräsentierter Personengruppen als Fachkräfte“. Welche Fachkräfte sind in Kitas unterrepräsentiert und warum?

Mit dem Bundesprogramm ‚Lernort Praxis‘ sollen vor allem Männer, höherqualifizierte Schulabgängerinnen und –abgänger, Menschen mit Migrationshintergrund und berufserfahrene Personen (so genannte Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger) für das Berufsfeld  geworben und möglichst an die Kitas gebunden werden.    

Traditionelle Geschlechterbilder und Vorstellungen von geschlechtlicher Arbeitsteilung wirken bis in die heutige Zeit in den Erzieherberuf hinein.  Die  unbezahlte schulische Ausbildung ist davon ebenso ein Ausdruck, wie der geringe Anteil männlicher Fachkräfte  in Kindertagesstätten. Die Forderung nach mehr männlichen Fachkräften in Kitas ist als eine Folge des Wandels gesellschaftlicher Geschlechterbilder und der Diskussion um aktive Vaterschaft zu verstehen. Die Forderung nach höherqualifizierten Absolventinnen und Absolventen ist hingegen eine Konsequenz der deutlichen Aufwertung der frühkindlichen Bildung in den letzten 15 Jahren und den damit gestiegenen Qualifikationsanforderungen an die Fachkräfte.  Die Forderung einer „interkulturellen Öffnung“ für Fachkräfte mit Migrationsgeschichte ist Teil einer allgemeineren  Auseinandersetzung mit den Konzepten der Inklusion und Diversity einerseits und der Diskussion, die sich grob mit dem Thema ‚Deutschland als Einwanderungsland‘ umschreiben lässt.

Nicht zuletzt ist die Berücksichtigung von Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern eine Folge des 2005 in Kraft gesetzten Tagesbetreuungsausbaugesetzes. Dem Fachkräftemangel muss entgegengesteuert werden. Im Rahmen dieser Anstrengungen liegt es nahe, wenn auch  Personengruppen angesprochen werden, die bisher im Berufsfeld unterrepräsentiert sind.   

Welche Mehrwert bieten heterogene Teams für Kitas?

Kita-Teams sollten idealerweise die gesellschaftliche Vielfalt Deutschlands und der Kinder in den Kitas abbilden. Beispielsweise reagieren Männer und Menschen mit Migrationshintergrund als Minderheit in der Kita oft sensibler, wenn es um vorherrschende  Regeln, Angebote und Abläufe geht. Sie hinterfragen Vorgänge, die in der Kita etabliert sind und für die Teams als selbstverständlich gelten. Durch Nachfragen können nicht nur neue Ideen in den Kita-Alltag einfließen, die Teams erhalten dadurch auch Impulse, ihre Arbeit zu reflektieren. Das gilt allerdings nur dann, wenn diese Impulse auch wahr- und ernst genommen werden. Ansonsten können sich Minderheitspositionen natürlich auch sehr negativ auf die Teamdynamiken auswirken.

Wie gestaltet sich die Praxisanleitung in heterogenen Teams?

Teams sind immer schon heterogen, denn sie bestehen aus Individuen. Das gilt auch für ‚reine‘ Frauenteams. Daher ist Heterogenität für alle Kitas ein wichtiges Thema in der Praxisanleitung. Oberstes Ziel sollte es sein, dass sich die Praxisanleitung an den individuellen Stärken und Kompetenzen der Praktikantinnen und Praktikanten orientiert.  

Wie unterstützt die Koordinationsstelle Kitas mit dem Schwerpunkt „Erschließung und Bindung bisher unterrepräsentierter Personengruppen als Fachkräfte“?

Im Zentrum unserer Bemühungen stehen Strategien zur Gewinnung ‚neuer Personengruppen‘ und die Verankerung einer Willkommenskultur in den Kitas. Wichtig ist uns natürlich auch, dass Reflexionsgespräche in der Praxisanleitung zur Routine werden. Dazu benötigt es Zeitressourcen, die in vielen Kitas häufig nicht vorhanden sind bzw. waren.

Darüber hinaus haben wir gleich zu Beginn des Programms Interviews mit Praxisanleiterinnen und -anleitern sowie Auszubildenden durchgeführt, um beispielsweise Aussagen zu den Themen Lernziele,  Kompetenzanforderungen, Zeitressourcen und Zufriedenheit zu gewinnen. Außerdem haben wir die Auszubildenden auch nach ihren Diskriminierungserfahrungen gefragt.  Das Wissen aus den Interviews  ist dann in den Beratungsprozess mit ein- bzw. zurückgeflossen.   

Wir unterstützen auch durch unsere Publikationen und Handreichungen, zu denen wir auch telefonisch beraten. Darüber hinaus stellen wir den Programm-Kitas Instrumente zur Reflexion von Fallbeispielen oder so genannten Dilemma-Situationen zur Verfügung und geben Teamfortbildungen zu den Themen Gender & Diversität. Einmal haben wir auch einen Elternabend zum Thema geschlechtersensible Pädagogik durchgeführt.

Nicht zuletzt organisieren wir Netzwerktreffen, die sich an die beteiligten Praxismentorinnen und Mentoren sowie die Kita-Leitungen richten. Diese Treffen dienen vor allem dem Austausch guter Praxis, haben aber auch Qualifizierungs- und Fortbildungscharakter zu unserem Schwerpunktthema.

Was haben die Kitas bereits erreicht?

Ich freue mich sehr über die Offenheit und Sensibilität dem Thema gegenüber, die wir in den beteiligten Kitas von Anfang an vorgefunden haben. Alle beteiligten Einrichtungen arbeiten daran, eine Willkommenskultur zu implementieren. In der Mehrzahl der Einrichtungen sind bereits „Gender und Diversität“ als Querschnittsthema der Praxisanleitung verankert. Auch die Anzahl eingestellter Fachkräfte aus bisher unterrepräsentierten Personengruppen ist in den beteiligten Schwerpunkt-Kitas gestiegen. Nach Selbsteinschätzung der Praxismentorinnen und -mentoren werden viele der beteiligten Einrichtungen mittlerweile von Auszubildenden, Eltern und Fachschulen als Kitas wahrgenommen, die gerade für diese Personengruppen offen stehen.

Um diesen positiven Trend nachhaltig zu stärken, stehen wir den Kitas auch weiterhin sehr gerne mit Rat und Tat zur Seite.

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